Die Theaterbesucher nehmen Platz zur beschwingten Filmmusik von "Die glorreichen Sieben", die Melodien Elmer Bernsteins von 1960 werden sich durch die ganze Aufführung ziehen. Die Bühne des Akademietheaters ist mit grasgrünem Teppich ausgelegt; sieben täuschend echte Plastikpferde nehmen beinahe den gesamten Bühnenraum ein. Das spektakuläre Bühnenbild Katrin Bracks entern der Reihe nach Schauspieler, die wie Möchtegern-Westernhelden aussehen, mit Cowboy-Hüten und Rüschenhemden (Kostüme Tabea Braun). In High Heels und Cowboystiefeln klettern sie auf die Pferde, als ritten sie. "Ja, verdammt. Wie bleibt man zusammen? Es hatte so schön angefangen. Man beginnt zusammen und dann ist es weg."

Mit diesen Sätzen eröffnet "Deponie Highfield", René Polleschs jüngste Theaterarbeit, die im Rahmen der Wiener Festwochen uraufgeführt wurde. Mit Birgit Minichmayr, Caroline Peters, Irina Sulaver, Katrin Angerer und Martin Wuttke ist hier ein bewährtes Abrisskommando gebräuchlicher Dramatik versammelt, gewissermaßen die Speerspitze der Postdramatik. Plausible Figuren, nacherzählbare Handlung? Mit derlei Konventionen lassen sich Pollesch-Theaterabende nicht fassen. Die Rahmenhandlung für dessen Bühnenfantastereien liefern üblicherweise Filmvorlagen - bei "Deponie Highfield" der Westernklassiker von John Sturges sowie Paul Feigs Agentenfilmparodie "Spy". Inhaltlich verweist der Bühnentext auf die Theorien Donna Haraways; die bekannte US-Wissenschaftstheoretikern unternimmt in ihrem jüngsten Werk "Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän" einen unbeschwerten Anlauf zur Weltrettung. Haraway entwirft darin ein Manifest für Gefährten, propagiert eine völlig neue Art, wie Mensch, Tier und Natur einander begegnen sollten, um auf diesem Planeten zu überleben. An diese Ideen schließt Autor und Regisseur Pollesch seinen Abgesang auf die große Liebe an - und seine Anklage gegen die allgemeine Beziehungsunfähigkeit. Klingt nach der typischen Pollesch-Mixtur, allerdings enthält "Deponie Highfield" zahlreiche repetitive Passagen und ist weniger dicht verwoben als andere Pollesch-Texte.

Mit angezogener Handbremse

Unerwartete Brüche und ansatzlose Wechsel von Sprechhaltungen - Konstanten im Theaterkosmos des deutschen Theatermachers - finden sich auch auf der Bühne der Wiener Uraufführung, das szenische Zusammenspiel ist jedoch auf ein Minimum zurückgefahren. Das Ensemble knallt sich die stakkato-artigen Sätze zwar mit Verve um die Ohren, das Geschehen auf der Bühne bleibt davon jedoch seltsam unberührt.

Einmal sitzen die Akteure hoch zu Ross oder palavern an der Bühnenrampe, ein anderes Mal nehmen sie im Halbkreis auf dem Boden Platz, als säßen sie um ein Lagerfeuer; gelegentlich tänzeln sie sinnentleert um die Pferde oder fuchteln mit Plastikrevolvern herum. Im Lauf des 90-minütigen Geschehens wirkt der rasende Stillstand zunehmend lähmend: Ein hochenergetisches Ensemble ist mit angezogener Handbremse unterwegs. Mehr Nonsens-Hochamt als Diskursbefeuerung.