Mailand. Im Rennen um den Intendantenposten der Mailänder Scala bahnt sich ein Zweierduell an. Als aussichtsreichste Kandidaten sind der derzeitige Direktor der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer, und der Intendant der römischen Oper, Carlo Fuortes, im Rennen geblieben, berichteten italienische Medien am Mittwoch übereinstimmend.

Meyer gilt als Kandidat mit dem besten internationalen Lebenslauf. Einziges Hindernis: Nach 15 Jahren mit ausländischen Intendanten könnte der Aufsichtsrat eine nationale Lösung vorziehen und sich für einen Italiener entscheiden. Das meint zumindest ein großer Teil der italienischen Presse vor dem Hintergrund der Tatsache, dass im Scala-Aufsichtsrat unter anderem der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, sitzt, ein Spitzenpolitiker der rechten Regierungspartei Lega, die mit dem politischen Slogan "Italiener zuerst" bei den EU-Parlamentswahlen mit 34 Prozent der Stimmen zur stärksten Gruppierung Italiens aufgerückt ist.

Vor dem derzeit amtierenden Scala-Intendanten, dem Österreicher Alexander Pereira, war der Franzose Stephane Lissner von 2005 bis 2015 Intendant und künstlerischer Leiter des Hauses. Er war der erste nicht italienische Staatsbürger, der zum Chef des Mailänder Opernhauses ernannt wurde.

Aufgrund der politischen Gegebenheiten, werden auch Fuortes gute Chancen eingeräumt. Der gebürtige Römer hat in den vergangenen Jahren die Bilanzen des schwerverschuldeten Opernhauses in Rom saniert und das Theater wieder auf Erfolgskurs gebracht hat. Gegen die Kandidatur des 59-jährigen Römers wehren sich jedoch laut Medienberichten die Gewerkschaften. Sie haben bei der Scala einen großen Einfluss. Zweifellos wäre Meyer, dem der Ruf vorauseilt, Probleme ruhig und diplomatisch zu lösen, eher nach dem Geschmack der Gewerkschaften.

Alexander Pereira möchte seine Zeit als Intendant der Mailänder Scala verlängern. - © APAweb,FRANZ NEUMAYR
Alexander Pereira möchte seine Zeit als Intendant der Mailänder Scala verlängern. - © APAweb,FRANZ NEUMAYR

Pereira will verlängern

Laut Medienberichten ist allerdings auch eine Mandatsverlängerung Pereiras nicht ganz ausgeschlossen. Der Kulturmanager macht kein Hehl daraus, dass er gern zumindest zwei zusätzliche Jahre - also bis Ablauf des Vertrags von Musikdirektor Riccardo Chailly - im Amt bleiben würde. Vor allem nach der Polemik um seine gescheiterten Pläne für ein Finanzierungsabkommen mit Saudi Arabien wehren sich jedoch einige Aufsichtsratsmitglieder gegen einen Amtsverbleib Pereiras, heißt es in Mailand.

Weniger Chancen werden dem Intendant des Fenice-Theaters in Venedig, Fortunato Ortombina, eingeräumt, der bereits als Koordinator für die künstlerische Leitung an der Scala im Einsatz war. Er ist seit 2017 zum Fenice-Intendant gewählt worden.

Der Aufsichtsrat der Mailänder Scala, der am Dienstag die Bilanz des Theaters für das Jahr 2018 gebilligt hat, hat sich bis zum 18. Juni Zeit genommen, um einen Beschluss über den neuen Intendanten zu fassen. Vor der Aufsichtsratssitzung am 18. Juni plant der Mailänder Bürgermeister und Präsident der Scala-Stiftung, Giuseppe Sala, ein Treffen mit dem italienischen Kulturminister Alberto Bonisoli. (apa)