Dass Michael Niavarani an William Shakespeare einen Narren gefressen hat, ist hinlänglich bekannt. Nicht umsonst hat der Neo-Simpl-Chef sein vor fünf Jahren in der Wiener Marx-Halle eröffnetes Theater Globe genannt. Und dort spielt er - richtig: Shakespeare. Auch nach dem verheerenden Brand im September 2017, der ihm den kompletten Globe-Spielplan zusammengehaut hat. Weil lange nicht klar war, wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte, war auf absehbare Zeit keine große Produktion wie "Romeo & Julia" oder "Richard III." umsetzbar.

Aber ganz will ein Michael Niavarani halt nicht auf den britischen Großmeister verzichten, und so serviert er seinem Publikum derzeit an einigen Abenden eine Art Light-Version des "Sommernachtstraums" mit nur zwei Schauspielern auf der Bühne - dafür aber mit dem gut 40-köpfigen Wiener Kammerorchester als Begleitung, dazu zwölf Chorsängerinnen (Philharmonie Chor Wien) und eine glockenhelle Solostimme (Anete Liepina). Und die liefern gemeinsam eine Show ab, die dem alten Will absolut gerecht wird. So wild mag es tatsächlich im elisabethanischen Wald von Athen zugegangen sein.

Klamauk am Lesetisch
und am Dirigentenpult

Denn Stefan Vladar legt sein Dirigat fast genauso klamaukhaft an wie Niavarani und Hauser am Tisch neben ihm, die gemeinsam den "Sommernachtstraum" vorlesen beziehungsweise die Handlung erzählen, untermalt von teils auch sehr zarten Tönen des Orchesters, wie man sie womöglich im Globe Wien noch nie gehört hat. Denn Felix Mendelssohn Bartholdys "Sommernachtstraum"-Soundtrack (natürlich inklusive Hochzeitsmarsch zum Mitklatschen) ist nicht nur bombastisch, sondern an vielen Stellen auch sehr sanft und fein. Eine Vorgabe, die Vladar und seine Musiker gekonnt umsetzen.

Es ist also ein durchaus hochkultureller Abend, zumindest inhaltlich. Die Art und Weise, wie die beiden Schauspieler den Stoff erzählen, ist freilich eine brachial-humoristische, wie man sie von Niavarani kennt. Dabei ist man als Publikum zum Teil gar nicht so sicher, welche der vielen Hänger, Versprecher und Lachanfälle bei der Premiere bloß scheinbare sind und genau so im Skript stehen. Denn so schleißig kann Niavarani sich gar nicht vorbereitet haben. Aber im Grunde ist es egal, weil er sowieso die Lacher auf seiner Seite hat und als Pyramus-Darsteller Zettel, aus dessen Sicht die ganze Chose erzählt wird, eine echt (irr)witzige Figur macht, auf die Hauser gut einsteigt. Da können selbst die Musiker rundherum kaum an sich halten. Insofern ist es erstaunlich, mit welcher Präzision sie nach diesen Lachanfällen wieder ihre Instrumente spielen. Und dass das zweistündige Programm keine Pause hat, tut dem Tempo gut.

Niavarani zeigt jedenfalls einmal mehr, dass er die hohe Kunst beherrscht, die großen, schweren Klassiker so unters gemeine Volk zu bringen, dass dieses erstens eine Gaudi hat und zweitens genau versteht, worum es geht. Und das verbindet den Wiener Shakespearianer mit seinem großen elisabethanischen Vorbild.