Ein leerer Raum, von hinten mit Scheinwerfern beleuchtet, die fast die erste Reihe im Hamakom-Theater blenden. Sorour Darabi kommt herein, verletzlich in eine Decke gehüllt und mit kindlicher Stimme auf Farsi (vermutlich) das Publikum zum Ritual "Savušun" begrüßend. Der Begriff, so der Programmzettel, bezeichnet eine präislamische Zeremonie, bei der ein ganz bestimmter mythischer Prinz betrauert wird. Darabi nutzt die kulturelle Referenz für Rituelles im Zusammenhang mit der eigenen Körperlichkeit und Identität.

Gender-Provokation

Die non-binäre Künstlerpersönlichkeit zeigt im Rahmen des Iran-Schwerpunkts der diesjährigen Wiener Festwochen eine aktuelle Arbeit mit dem Titel "Savuun". Sobald die Decke Darabis nackten Oberkörper freigibt, starrt das Publikum unweigerlich auf die Kombination aus starker Körperbehaarung und Brustansatz, sodass die Provokation der im Stile eines Sprengstoffgürtels umgeschnallten Wachskerzen nahezu untergeht. Diese voyeuristische Neugier in Sachen Geschlechteridentität ist im Sinne der Performance durchaus gewollt. Später wird Darabi einen verstörend sexuell aufgeladenen Liebesbrief an den eigenen Vater, einen Oberst beim Militär, rezitieren - auf Französisch diesmal, mit englischer Übertitelung.

Es ist ein Solo im wahrsten Sinne des Wortes, zentriert auf einen Körper und seine fragile Präsenz. Ähnlich den bisherigen iranischen Arbeiten im Hamakom bleibt es flüchtig, vage. Die Bühnenfigur Sorour Darabi hat Interesse erweckt. Ihre sprachzentrierte ältere Arbeit "Farci.e" ist Mitte der Woche ebenfalls im Hamakom zu sehen.