Es ist eine minutenlange Litanei, die so manchen Zuseher dazu bewog, vorzeitig das Akzent Theater zu verlassen. In einer Schlüsselszene des Stücks "Borborygmus", das Dienstag bei den Festwochen Premiere feierte, zählen die drei Akteure Mazen Kerbaj, Lina Majdalanie und Rabih Mrué die Toten ihres Freundes- und Verwandtenkreises auf, inklusive Todesursache. Krebs ist da der Spitzenreiter, aber dicht gefolgt von "Attentat". Das mag daran liegen, dass die Performer aus Beirut kommen.

"Borborygmus" heißt ihre Arbeit, und das bedeutet in etwa "Bauchgrummeln" oder "Magenknurren". Klingt bedrohlich, ist es aber nicht - so kann man den Theaterabend auch verstehen, der ein Verstandenwerden aber gar nicht so dringend anstrebt. Die drei lassen zu Beginn jeder ein Metronom klackern, die Bemühung, Gleichklang herzustellen, ist gering. Dann beschreien sie eine rhythmische Menschheitsentwicklung, die Zettel mit den Texten dazu landen am Boden und zerknüllt beginnen sie einen humorvoll-poetischen, mysteriösen Tanz.

Es folgt ein manisches Schnapsprosten auf allerlei Namen, von arabischen Dichtern bis Beiruter Gastwirten. Auf den zertretenen Plastikstamperln wird schließlich eine Art Vernichtungsgebet gebrüllt an "Oh Nebel, oh Nichts". Mit Lichtblitzern und Sirenen fühlt man sich in einen Fliegerangriff versetzt, danach beschreibt Lina Majdalanie mit stummem Akkordeon, wie sie sich selbst verspeisen würde. Ein Theaterabend, der seine Momente hatte, aber letztlich, um im Verdauungsjargon zu bleiben, als intellektueller Rülpser verpufft.