Viele kleine Fische und ein paar farbige Lämpchen hängen von der Decke. Unter der Aufschrift "Caribaldi" führt eine karierte Tür auf die nur mit einem Sessel, Musikinstrumenten, Notenständern und Schrankkoffer ausgestattete Bühne. So sieht der Raum in der Wiener Scala aus, den Regisseur Rüdiger Hentzschel für Thomas Bernhards Stück "Die Macht der Gewohnheit" gestaltet hat.

45 Jahre nach der Uraufführung erkennt man, jedenfalls in diesem Drama, in Bernhard nicht den einstigen Skandalautor. Gewiss, da sind seine typischen Überspitzungen und Bösartigkeiten, aber letztlich wirkt die Geschichte vom Wanderzirkus mit seinem despotischen Direktor, der sich seit 22 Jahren vergeblich um eine perfekte Aufführung von Schuberts Forellenquintett bemüht, wie ein Ionesco-Stück, geistreich in der Sprache, aber eher banal in der Kernaussage: "Wir wollen das Leben nicht, aber es muss gelebt werden. Wir hassen das Forellenquintett, aber es muss gespielt werden."

Die Aufführung lebt von Thomas Kampers fulminanter Darstellung des Zirkusdirektors Caribaldi, der die anderen quält und dabei sein eigenes Leben als unaufhörliche Qual empfindet. Neben ihm überzeugt vor allem Glenna Weber als seine vorwiegend mimisch agierende Enkelin. Dirk Warme (Jongleur), Régis Manka (Dompteur) und Florian Lebek (Spaßmacher) spielen mehr oder weniger aufmüpfig ihre Nebenrollen im ständig scheiternden Ringen ihres Chefs um Präzision und Vollkommenheit: "Jahrzehnte spiele ich gegen den Stumpfsinn das Cello - aber es ist kein Ende abzusehen."