Nachdem sich Sorour Darabi mit seinem neuesten Performance-Solo "Savušun" bei den Wiener Festwochen vorgestellt hatte, war das Interesse auf die Vorgängerarbeit "Farci.e" geweckt - auch sie ist im Hamakom-Theater zu sehen. Darabi, aus dem Iran stammend und in Paris lebend, identifiziert sich nicht eindeutig mit einem Geschlecht und war daher laut Ankündigungstext überfordert mit den Tücken der französischen Sprache. Diese kennt, wie ja auch das Deutsche, aber eben anders als Farsi, ein grammatikalisches Geschlecht. Eine interessante Ausgangsposition. Intellektuelle Identitäts- und Sprachgedankenspiele wurden erwartet.

Aber nein. Abgesehen von kurzen kecken Grußworten erklingt keine einzige dieser Sprachen. Alles an Text liegt lediglich auf einen Packen DIN-A4-Blätter gedruckt vor. Dieser wartet auf einem weißen Tisch wie auf eine Lecture, einige Sätze sind mit etwas angestrichen, was nach blauem Textmarker aussieht. Ungeschickt provozierte Unfälle mit Wasserflaschen machen daraus bald schon klebrigen Papiergatsch, den Darabi daraufhin kokett abschleckt, wiederkäut, verspeist. Man sieht 40 Minuten lang zu, so wie man eben von Menschen den Blick nicht abwenden kann, die beim Essen selbstvergessen herumferkeln. Nur dass Darabis infantiler Angriff auf den Alphabetismus natürliche volle Absicht ist.

Mit etwas Wohlwollen kann man den Auftritt als die entzerrteste Clownsnummer der Welt bezeichnen. Für eine abendfüllende Performance ist das jedenfalls ein bisschen wenig. Da wollte uns offenbar jemand papierln.