Dem Objektkünstler und Performer Benjamin Verdonck genügt für sein Festwochen-Gastspiel das Kasperltheaterformat. Zwei Meter breit, ein Meter hoch ist die Schaufläche seines Kaleidoskops aus Holz und Pappe. Also proportional zu bescheiden in der übermächtigen Ziegelhalle und ihrer steilen Tribüne. In synkopischer Langsamkeit zieht der Belgier an den Seiten seines Bühnenkastens, im Dunkel kaum sichtbar, an ganzen Bündeln von Schnüren. Ein Marionettentheater?

Keine Puppe passt hier hinein und schon gar nicht das lebendige Menschenkind, dem Verdonck sein Programm "Liedlein für Gigi" widmet. An diesen Schnüren hängen monocolore Baustücke für klinisch reine Bilderfolgen. Denn der behände Fadenzieher zeigt in wohlkomponierten Verrückungen des bloßen Dekorationsmaterials ein Theater ohne Theater; in einer Versuchsanordnung wie im Labor einer Bühnenbildklasse in einer Kunstakademie. Lehrziele: Öffnen und Schließen des Vorhangs, Zentralperspektive, Raumdehnung.

Im Cinquecento in Italien erfunden, schaffen rampenparallele Kulissenpaare, welche nach hinten kleiner werden, die Illusion von Tiefe. Die leeren Räume auf Verdoncks Kleinbühne erinnern die ausgeräumten Biedermeier-Interieurs des dänischen Malers Vilhelm Hammershöi und Alain Resnais‘ Kamerafahrten durch leere Flure, denen Flure folgen, in den "Letzten Tagen in Marienbad". Zwischendurch wechselt er zu platten Farbflächen, so streng geometrisch wie bei Malewitsch und Mondrian.

Putziges und Paradoxes

Neben dem Bühnenkasten füttern zwei Gitarristen mit wenigen Griffen einen Synthesizer. Viel mechanischer Rhythmus, wenig Melodie, doch zu Verdoncks optischem Minimalismus ein passender Hauch von Blues. Aber bald überzieht eine Stimme aus dem Lautsprecher die kühlen Bilder mit klebrig warmer Menschlichkeit: Putziges und Paradoxes aus Kindermund, wie von einem späten Vater begeistert gesammelt und nacherzählt. Oder erfunden? Welches Kind träumt, dass ein kommunistisches Kommando die Filiale der Bank of America in die Luft sprengt?

Nicht wenigen Zuschauern waren fünfzig Minuten Wechselbilder, Sound und Text zu wenig für ihr Geld oder die Mühe, in die Gösserhallen nach Favoriten zu reisen. Doch die Klatscher behielten bei der Premiere gegen die Buhrufer die Oberhand.