Der designierte Burgtheater-Direktor Martin Kušej, 58, hat soeben seinen ersten Spielplan für 2019/20 präsentiert und setzt vor allem auf Internationalität. Die "Wiener Zeitung" fragt nach, was es damit auf sich hat.

"Wiener Zeitung":Ihre erste Spielzeit, die am 12. September 2019 beginnt, bringt Regiekräfte aus 13 Ländern nach Wien, und Sie ergänzen das Ensemble mit Schauspielern aus Island, Ungarn und Israel. Dies kann durchaus als Angriff auf das viel zitierte "Burgtheater-Deutsch" verstanden werden, das sich ja schon mit bundesdeutscher Aussprache schwertut.

Martin Kušej: Es gibt Errungenschaften, die Sinn machen. "Burgtheater-Deutsch" und auch die Meinung, Piefkes hätten am Burgtheater nichts zu suchen, halte ich dagegen für kompletten Schwachsinn. Das ignoriere ich einfach.

Was beabsichtigen Sie mit der länderübergreifenden Ausweitung des Ensembles?

Das Interesse an anderen Sprachen und Kulturen lässt sich aus meiner Biografie erklären. Ich bin Kärntner Slowene mit deutscher Muttersprache, später habe ich aber Slowenisch gelernt. Mittlerweile spreche ich sieben Sprachen. Als Regisseur führten mich Engagements durch ganz Europa, dabei habe ich tolle Schauspieler kennengelernt. Warum sollte man diese nicht auch hier in Wien - einer so kosmopolitischen und multikulturellen Stadt - am Theater sehen können?

Soll die Mehrsprachigkeit noch weiter ausgebaut werden?

Definitiv, dieses Vorhaben steht erst am Anfang. Ich wollte aber nicht gleich alles auf einmal umkrempeln. Solche Veränderungen sollten mit Bedacht passieren.

Ist die beabsichtigte Mehrsprachigkeit auch Ihr Versuch, den Begriff Nationaltheater neu zu definieren?

Definitiv. Mein Vorbild ist dabei das Pariser Theâtre de l’Odéon, an dem an der Fassade in großen Lettern "Theâtre de l’Europe" steht. Gerade für Österreich wüsste ich nicht, wie man sonst mit dem Begriff "Nation" umgehen sollte. Wien war seit Zeiten der Monarchie ein Schmelztiegel. Bis heute kann man hier tagtäglich viele Sprachen und Kulturen erleben. Daran möchte ich anknüpfen.

Der Regisseur Ulrich Rasche wird als Eröffnungspremiere Euripides "Backchen" inszenieren. Weshalb überlassen Sie die Eröffnungspremiere Ihrer ersten Spielzeit einem anderen?

Ich sehe mich als Intendant eher als ein Ermöglicher. Ich habe kein Problem damit, einen Schritt zurückzutreten, zumal meine Arbeit in Wien ohnehin nicht ganz unbekannt ist.

Als Direktor des Burgtheaters sind Sie nun eine Figur des öffentlichen Interesses.