Ein Sängerfest: Julia Lezhneva als Galatea, Pavel Kudinov als Polifemo. - © Marco Borrelli
Ein Sängerfest: Julia Lezhneva als Galatea, Pavel Kudinov als Polifemo. - © Marco Borrelli

Alto Giove, Hoher Jupiter (oder Zeus): Wer den Film "Farinelli" kennt, hat die Szene vor Augen und die Töne im Ohr, mit denen der Sänger die verdüsterte Seele des Spanierkönigs auflichtet. Die Arie stammt aus Nicola Porporas Oper "Polifemo". Man konnte das dreistündige Werk am Samstag in der Felsenreitschule kennenlernen, als zweite szenische Produktion bei den Pfingstfestspielen.

Porpora (1686-1768) war als Impresario eines Opernunternehmens in London ein gefährlicher Gegenspieler Händels. Wofür er berühmt war: Keiner verstand damals die vokale Dekorationskunst besser als er. Er bildete Sänger aus und hing ihnen die denkbar bravourösesten Tongirlanden in die Kehlen. Auch "Polifemo", eine von gut 50 Opern Porporas, ist Stoff, der fast ausschließlich aus Koloraturfäden gewebt ist. Ovids Acis und Galatea und zwei Episoden aus der Odyssee (Kalypso angelt sich den Odysseus und dieser kriegt es mit Polyphem zu tun) sind etwas eigenartig aneinander geklittert. Koloratur-Bravour statt Dramaturgie.

Von einem rechten Sängerfest ist zu berichten: Der Countertenor Max Emanuel Cencic (Regie) und der Dirigent des griechischen Originalklangorchesters Armonia Atenea kennen die Stärken ihrer singenden Kollegen. Jede Rolle wirkte dem vorwiegend slawischstämmigen Ensemble maßgeschneidert. Die Szene sparsam, ein paar Felsbrocken und Video-Projektionen von Wellen. In einem Duett beklagen die Nymphen Galatea und Calipso ihr Schicksal, letztlich von Amor zu einer Liebe mit Sterblichen gezwungen zu werden. Im Hintergrund pinkelt derweil Odysseus gegen einen Felsen . . .