Menschen brechen zusammen oder liegen bereits am Boden. Sie verbluten, verbrennen oder ersticken. In den antiken Reliefs, die den Raum zwischen zwei Triglyphen mit Bildern aus bekannten Mythen füllten, auf jenen "Metopen" also, zugleich einendes und zierendes architektonisches Glied eines großen "Ganzen", deren wohl bekannteste jene des Parthenon sind, wurde von Helden erzählt und deren Kriegen, Schlachten - und Toden.

Romeo Castellucci hat für seine 2015 uraufgeführte Arbeit "Le Metope del Partenone" die antiken Tafeln von den luftigen Höhen dorischer Säulen auf den dreckigen Boden unserer Realität verlegt, für die Wiener Festwochen auf jenen der großen Gösserhalle. An den Wänden werden die sechs so geerdeten Szenen, in denen jeweils ein Mensch - sichtbar dafür präpariert - stirbt, von ebenso vielen Rätseln Claudia Castelluccis begleitet. Rätsel von sphingischer Dimension, die so auch den Bogen zum historischen Referenzraum spannen. "Der europäische Gedanke muss sich notwendigerweise an der griechischen Antike orientieren", erläutert Castellucci seine Überlegungen für die sich zwischen Zitat und Ereignis bewegende begehbare Installation.

Die Arbeit funktioniert letztlich da am besten, wo sich das Publikum als Voyeur ertappt fühlt. Immer steht es im Weg, wenn der Rettungswagen zum Einsatzort kommt und Helfer den Kampf gegen den Tod antreten. Der Sieg ist so illusorisch wie meist eine gute Sicht auf das Geschehen. Am Ende, wenn das Rätsel gelöst ist, stehen die lebenden Toten auf und verabschieden sich mit einem letzten Blick in die Menge der Gaffer.