Wien. Elfriede Ott stand 70 Jahre lang auf der Bühne, spielte 60 Jahre lang Soloprogramme und ebenso lange TV-Rollen. In Erinnerung ist vielen vor allem ihr komisches Talent. In der Nacht auf Mittwoch verstarb die Doyenne des Theaters an der Josefstadt mit 94 Jahren, und damit eine der beliebtesten und vielseitigsten Schauspielerinnen des Landes.

Hilde Spiel sagte einmal: "Sie besitzt die Fähigkeit, alle Seiten des wienerischen Temperaments, das Graziöse wie das Grantige, das Maliziöse wie das Sentimentale, das Raimund'sche Gemüt wie das Nestroy'sche Gift in rascher Aufeinanderfolge abzuwandeln." Die Wiener Uhrmacherstochter, die nach eigenen Angaben das Theaterspielen schon als Kind dem Verstecken oder Tempelhüpfen vorzog, brachte das Publikum in all diesen Varianten jahrzehntelang zum Lachen und Weinen.

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1925 in Wien geboren

Dabei schien ihr Weg nicht vorgezeichnet. Die am 11. Juni 1925 in Wien Geborene musste zunächst in die Fußstapfen des Vaters treten, nahm aber schon früh heimlichen Schauspielunterricht bei Lise Medelsky. Ihre humoristische Ader zeigte sich bereits beim ersten Vorsprechen am Burgtheater, wie Ott gerne erzählte: "Bei meiner Lehrerin hatte ich die 'Jungfrau von Orleans' einstudiert. Als ich rezitierte, hab' ich alles haargenau nachempfunden, auch das Zucken im Gesicht, das die Medelsky befallen hatte. Lothar Müthel (Direktor des Burgtheaters, 1939-1945, Anm.) erzählte mir später, er habe noch nie so sehr über eine Jeanne d'Arc gelacht wie damals. Aber er hat mich genommen."

1944 debütierte die spätere Grande Dame der Wiener Volkskomödie denn auch am Burgtheater, dessen Ensemble sie bis 1949 angehörte, in Gerhart Hauptmanns "Die Goldene Harfe". Ott spielte auch in Goethes "Stella", in Grillparzers "Sappho" oder in Shakespeares "Sommernachtstraum". Die Partner an ihrer Seiten waren Kapazunder wie Curd Jürgens, Raoul Aslan und Oskar Werner. Ihre ganze Liebe gehörte aber dem Theater an der Josefstadt, wie sie selbst in einem Interview bekannte. Dort fand die Schauspielerin 1958 ihre künstlerische Heimat und gehörte bis 2011 als Ensemble- und Ehrenmitglied zu den unangefochtenen Publikumslieblingen. Zum letzten Mal war die Doyenne dort am 9. Jänner 2011 in der musikalischen Collage "Eh wurscht" zu sehen.

Ihre zweite Karriere als Kabarettistin startete Ott in den 1950er-Jahren u.a. an der Seite ihres ersten Ehemanns Ernst Waldbrunn, mit dem die Kammerschauspielerin von 1950 bis 1964 verheiratet war und dem sie bis zu dessen Tod 1977 freundschaftlich verbunden blieb. Nach der Scheidung schlug die Spezialistin des klassisch-wienerischen Genres die nächste Richtung ein und gab Abende als Diseuse, gemeinsam mit Julius Patzak oder Waldemar Kmentt. Ihre Soloprogramme wurden großteils von "Lebensmensch Hans Weigel" zusammengestellt, mit dem sie bis zu seinem Tod 1991 liiert und das gemeinsame letzte halbe Jahr auch verheiratet war. Er galt als Otts "Erfinder" und gestaltete für sie das legendäre Programm "Phantasie in Ö-Dur", das zu einem Markenzeichen der Partnerschaft Ott-Weigel wurde.