"Alles, was ich zum ersten Mal gemacht habe, musste ich immer in einem absurd schnellen Durchlauf lernen. Learning by doing ist letztlich das Einzige, was einen in diesem Beruf weiterbringt, wenn man verschiedene Dinge ausprobieren möchte." Cornelius Obonya
"Alles, was ich zum ersten Mal gemacht habe, musste ich immer in einem absurd schnellen Durchlauf lernen. Learning by doing ist letztlich das Einzige, was einen in diesem Beruf weiterbringt, wenn man verschiedene Dinge ausprobieren möchte." Cornelius Obonya

Pienkos: Alexander Pereira hatte den Plan, zum ersten Mal an der Scala eine "Fledermaus" auf den Spielplan zu setzen - und da bot es sich natürlich an, eine österreichische "Fledermaus" zu machen. Cornelius spielte zum damaligen Zeitpunkt den "Jedermann" in Salzburg - und so kam es plötzlich zu dieser völlig überraschenden Anfrage.

Obonya: Es war für uns beide ein Sprung ins kalte Wasser. Für Carolin insofern, weil es zum ersten Mal Musiktheater war, und für mich in doppelter Hinsicht. Dann haben wir gesagt: Okay, mehr als scheitern kann man ja nicht!

Pienkos: Und es hat sich dann alles ganz natürlich ergeben und wir haben dieses Abenteuer mit großer Freude gemeinsam erlebt.

Obonya: Das zieht sich übrigens durch mein ganzes Karriereleben. Alles, was ich zum ersten Mal gemacht habe, musste ich immer in einem absurd schnellen Durchlauf lernen. Learning by doing ist letztlich das Einzige, was einen in diesem Beruf weiterbringt, wenn man verschiedene Dinge ausprobieren möchte.

Nun zeichnen Sie gemeinsam für die Regie der "Zauberflöte" verantwortlich, die am 10. Juli im Römersteinbruch St. Margarethen Premiere hat. Was darf man sich erwarten?

Pienkos: Wir wollen ein Märchen erzählen, das heute noch Relevanz hat und vor allem eine gesellschaftliche Vision zeigt, die in dieser Oper steckt. Die Ideale der Gleichheit und Vernunft, vor allem auch zwischen Mann und Frau werden thematisiert.

Und ein anderer wesentlicher Erzählstrang ist die Heldengeschichte Taminos, der seine Ängste überwindet und es schafft, seine bedingungslose Liebe zu beweisen. Ebenso wie Pamina. Das macht sie ebenbürtig. Aber dafür müssen sie ihr Leben aufs Spiel setzen. Das ist große Leidenschaft und große Verzweiflung. Wir wollen Emotionen, Pathos zulassen, was heute viel zu oft mit Sentimentalität verwechselt und verspottet wird.

Obonya: Man muss in diesem Rahmen auch ganz anders agieren als in einem Opernhaus: Man muss klare, große Gesten finden.

Pienkos: 60 Meter Bühnenbreite ist eine Dimension, bei der man den Blick des Zuschauers einfach fokussieren muss. Wir wollen auch die Dialoge klarer gestalten. Auch wenn die Zauberflöte - vor allem in Österreich - ein geradezu heiliges Kulturgut ist, sollte man sich nicht vor einem etwas modernisierten Zugang verschließen.

Die Rolle des Papageno wird mit Max Simonischek nicht mit einem Sänger, sondern mit einem Schauspieler besetzt.

Obonya: Das ist keine neue Idee, ganz im Gegenteil. Bei der Uraufführung des Werkes hat Schikaneder (Librettist der "Zauberflöte", Anm.) diese Rolle selbst verkörpert. Er konnte zwar singen, war aber kein Opernsänger, hat sich diese Rolle gewissermaßen auf den eigenen Leib geschrieben.

Wird es das berühmte Duett mit Papagena dennoch geben?

Obonya: Natürlich! Die Musik bleibt so wie sie ist. Wir machen hier keine neue "Zauberflöte", wir wollen das Rad nicht neu erfinden, aber was sehr wohl möglich ist, vielleicht eine andere Schattierung zu zeigen, die uns gut erscheint. Das ist ebenfalls etwas, das uns verbindet: Wir stehen nicht für ein destruktives Theater.