"Wenn man ins Theater geht, will man, denke ich, eine Erfahrung mitnehmen, die einem vielleicht hilft, oder etwas, das einen belebt und innerlich reicher macht." Carolin Pienkos - © Robert Wimmer
"Wenn man ins Theater geht, will man, denke ich, eine Erfahrung mitnehmen, die einem vielleicht hilft, oder etwas, das einen belebt und innerlich reicher macht." Carolin Pienkos - © Robert Wimmer

Pienkos: Wir stehen für ein Theater, das sich mit Konflikten auseinandersetzt, wobei wir diese nicht ironisieren oder bagatellisieren, sondern mögliche Ursachen und deren Folgen herausarbeiten. "Coriolan" etwa, den wir 2016 am Akademietheater gemacht haben, zeigt auf großartige Weise, wie disparat ein Konflikt sein kann. Diese späte Shakespeare-Tragödie ist keine Schwarz-Weiß-Erzählung, das ist die große Stärke dieses Stückes, dieses Autors.

Obonya: Gleichzeitig sind wir Künstler aber auch dazu da, noch ein paar Träume weiterzugeben. Und da sind wir wieder bei der "Zauberflöte": Natürlich wäre es schön, wenn es tatsächlich eine Zauberflöte gäbe, wo ich einmal Tüdelidü mache und alles um mich herum funktioniert! Spitze! Gibt es aber nicht. Aber nicht zuletzt dafür wurde dieses Werk geschrieben, denn wenn wir aufhören, diese Träume zuzulassen, dann fühlen wir nichts mehr und hämmern nur noch auf unseren Tastaturen herum.

Pienkos: Wenn man ins Theater geht, will man, denke ich, eine Erfahrung mitnehmen, die einem vielleicht hilft, oder etwas, das einen belebt und innerlich reicher macht. Im Idealfall habe ich durch das Mitfühlen ein reinigendes Erlebnis, eine Art Katharsis. So simpel das klingen mag: Im Grunde wollen wir doch alle glücklich sein, und um dort hinzukommen, stellen sich eben immer diese Fragen: Wie handle ich jetzt, wie handle ich morgen? Da zeigt das Theater im besten Fall Möglichkeiten auf, in denen man sich erproben kann.

Zu Beginn des Gesprächs haben Sie angedeutet, dass die gemeinsame Gesprächsbasis den Grundstein ihrer Beziehung legte.

Pienkos: Dass es zwischen uns eine Seelenverwandtschaft gibt, zeigt sich häufig, indem wir tatsächlich etwas ganz Ähnliches zum gleichen Zeitpunkt denken. Wir sagen auch idente Formulierungen. Das führt dazu, dass wir vieles gar nicht mehr aussprechen, weil wir davon ausgehen, dass der andere ohnedies weiß, was man gerade denkt.

Obonya: Das war beim Regieführen dann irgendwann schon absurd - und ich glaube, das muss auch für manche Kollegen etwas komisch gewesen sein. Meine Frau hat auf der Bühne kaum noch mit mir gesprochen, nur noch Gesichter gemacht - und ich wusste, was sie meint. Das heißt nicht, dass wir keine Diskussionen haben. Es gab schon Proben, wo sie vor den versammelten Kollegen zurecht gesagt hat: Ich kapiere nicht, was du da spielst. Aber gewisse Dinge müssen wir einander einfach nicht mehr aussprechen. Das war schon sehr früh so.

Pienkos: Und das ist etwas, das sich über die Jahre nicht nur erhalten, sondern ausgebaut hat.

Obonya: Ich trau mich zu sagen, je älter ich werde, desto stärker wird unsere Beziehung - und schöner. Mir fällt immer dieser Satz des deutschen Kabarettisten Dieter Nuhr ein: "Man traut es sich eigentlich gar nicht zu sagen, aber ich bin glücklich." Ich darf die schönste Ehe der Welt führen!

Pienkos: Nein, das ist meine!

Wie haben Sie einander kennengelernt?

Pienkos: Ich hatte nach dem Studium gerade erst in München zu arbeiten begonnen, und in dem Moment, wo ich überlegt habe, bleibe ich hier oder nicht, hat Karin Bergmann angerufen und gesagt, Andrea Breth würde gerne mit Ihnen am Burgtheater arbeiten, kommen Sie doch nach Wien. Das war 2001 für "Maria Stuart".