"Wir Schauspielerinnen und Schauspieler bauen unsere Rollen von innen heraus auf – wie ein Schichtkäse." Clemens Obonya - © Robert Wimmer
"Wir Schauspielerinnen und Schauspieler bauen unsere Rollen von innen heraus auf – wie ein Schichtkäse." Clemens Obonya - © Robert Wimmer

Hat Cornelius Obonya in diesem Stück mitgewirkt?

Pienkos: Nein, wir haben uns zum ersten Mal in der Kantine des Burgtheaters getroffen.

Obonya: Zuvor hatte ich Carolin allerdings schon erspäht gehabt!

Pienkos: Damals saß ich mit Andrea Breth an einem Tisch - und plötzlich stand Cornelius da in einer aberwitzigen Kostümierung aus "Der jüngste Tag".

Obonya: Ich spielte den Wachtmeister, war völlig absurd gekleidet, mit zurückgegelten Haaren und einem aufgeklebten Schnauzbart. Es war optisch so ziemlich das genaue Gegenteil dessen, was meine Frau nur annähernd attraktiv hätte finden können. Keine Ahnung, weshalb sie trotzdem. . .

Pienkos: Es war das Gespräch! Das ging gleich los! Damals war ich gerade einmal zwei Wochen am Burgtheater.

Obonya: Wenn ich an Wiedergeburten glauben würde, könnte ich sagen: Schön, dass du wieder da bist!

Pienkos: Endlich!, würde ich sagen, mit Vorwurf: Wo warst du so lange?

Sie sind in Norddeutschland geboren und aufgewachsen. Sind in Ihrer Ehe die viel zitierten Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschland und Österreich ein Thema?

Pienkos: Ganz häufig! Letztendlich hat die Umgangsform hier in Österreich eine gewisse Attitüde, die mir als norddeutsche Protestantin immer ein bisschen zu verspielt ist oder zu verschnörkelt - im besten Sinne! Dass ich Dinge - in meiner Wahrnehmung - oft viel kürzer und knapper sage, kommt in den Ohren eines Österreichers, auch meines Mannes, häufig schräg an. Es ist nicht beabsichtigt, aber bekanntlich ist es die gemeinsame Sprache, die uns trennt.

Obonya: Ich bin der Blumigere, ich rede gerne viel und lang. Ich muss immer gebremst werden.

Pienkos: Geben Sie ihm bloß kein geschichtliches Thema, das dauert!

Sie haben zuvor gesagt, dass es Ihnen am Theater nicht zuletzt um das Herausarbeiten von Konfliktsituationen geht. Sind Sie privat ebenfalls konfliktfreudig?

Pienkos: Ich finde es ganz wichtig, dass man in der Lage ist, miteinander auch einen Konflikt auszuleben, und zwar auf erwachsene Art und Weise, also nicht durch Verdrängung oder andere infantile Konfliktstrategien. Das ist etwas, das uns prinzipiell sehr streitbar macht - uns gleichzeitig aber immer wieder herausfordert, uns miteinander auseinanderzusetzen.

Obonya: Das ist letztlich, denke ich, auch wichtig für unseren Sohn, beides zu sehen - der Streit kann da sein, aber das Kind muss genauso sehen, dass die Versöhnung genauso ehrlich und klar funktioniert, dass Konflikte zum Leben nun einmal dazugehören.

Apropos Meinungsäußerung: Sie gehören zu jenen Künstlern, die in der Öffentlichkeit zu politischen Themen klar Stellung beziehen. Ist das ein Resultat der Erziehung Ihrer Mutter, Elisabeth Orth, die ja auch ein sehr politischer Mensch ist?