Obonya: Ich bin so erzogen, ja. Es gibt einen Urantrieb. Wenn ich an meine Großeltern denke, an die Nazizeit, stellt sich schlicht und ergreifend die Frage: Wo zieht man die Grenze? Wenn man sagt, ein Künstler ist nicht politisch, hat sich nicht um Politik zu kümmern, und dann steht man plötzlich neben Herrn Goebbels. Was ist dann? Ich bin eben andersrum erzogen worden, speziell von meiner Mutter, die diesen Kampf mit ihren Eltern (Paula Wessely und Attila Hörbiger, Anm.) wirklich geführt hat, um herauszufinden, was damals gelaufen ist.

Es gab eben auch eine andere Seite, die zumindest hinterfragbar ist, nicht verurteilbar, das können wir uns nicht anmaßen, weil, wie schon Erich Kästner geschrieben hat: Held ist man immer nur in der Sekunde, wo es gefragt ist, weder vorher noch nachher. Niemand kann heute mit Gewissheit sagen, ich hätte das sicher anders gemacht. Nein! Vielleicht wäre man genauso feig in der Ecke gestanden und hätte gesagt, besser nicht. Und dieses "besser nicht" möchte ich nicht erleben und deswegen lieber früher - und hoffentlich halbwegs informiert - den Mund aufmachen, bevor gewisse gesellschaftliche Zusammenhänge zu zerbröseln beginnen, die genau das wieder verursachen könnten. Allein diese Möglichkeit darf schon nicht bestehen.

Dennoch dürften Sie ein besonderes Verhältnis zu Ihrem Großvater gehabt haben, zumal Ihr gemeinsamer Sohn ebenfalls Attila heißt.

Obonya: Ich habe meinen Großvater sehr geliebt! Er hat mir viele Dinge vermittelt, die ich heute noch schätze, gerade auch in Sachen Humor. Da ist auch meine Mutter ihrem Vater durchaus ähnlich, also darin, gewisse Dinge, aber auch sich selbst, nicht ununterbrochen so ernst zu nehmen. Um ehrlich zu sein, hätte ich mich nicht getraut, diesen Vorschlag zu machen, aber Carolin meinte, Attila ist ein wunderschöner Name - und so haben wir gesagt, ja, soll der Name auch in dieser Familie weiterleben.