Die gute Nachricht zuerst: Es stinkt nicht in dem Raum, und es ist kein Ungeziefer zu befürchten. Sarah Vanhee, belgische Künstlerin des Jahrgangs 1980, hat ihr seltsames Ansinnen denkbar hygienisch umgesetzt. Ein Jahr lang hat sie lediglich ihre organischen Abfälle vernichtet, das Übrige aber gesäubert und ein kolossales Müllarchiv in Kisten aufgebaut.

Seit 2015 prangte diese Sammlung auf etlichen Kunstfestivals und kehrte nun, zum Ausklang der Wiener Festwochen, in den Gösserhallen ein. Vanhee, das ist an künstlerischem Mutwillen zu würdigen, schwimmt resolut gegen den Konsumstrom: Statt ihre deponiegeweihten Güter zu verstoßen, drapiert sie diese nachgerade mit Besitzerstolz Stück für Stück auf dem Hallenboden. Löblich auch an der Unternehmung: Es dürfte den Umweltschutzgedanken befördern, dass die Künstlerin am Ende ziemlich klein aussieht in der Fülle ihres Jahreskonsums.

Mit Stuhlgang-Tagebuch

Nur leider wirkt die Grundidee so verbraucht wie das verwendete Material. Ein grauer Historienbart hängt an dem Konzept, Kramuri zur Kunst aufzuwerten. Und der Abend laboriert an Längen. Geschlagene 135 Minuten benötigt die Errichtung dieser Unrat-Kollektion. Eine Zeit, die Vanhee zwar auch mit Reden verbringt: über kunsttheoretische Implikationen, über ihr Kind, auch über die Technik der Plastikproduktion. Zudem setzt es Auszüge aus einem Stoffwechseltagebuch, das kein Parameter diverser Stuhlgänge schuldig bleibt. In Summe wirken die Brocken aber so wahllos zusammengewürfelt wie Restmüll. Wer blieb, klatschte begeistert.