Faksimile von Bruno Ganz’ Brief samt Iffland-Ring. - © apa
Faksimile von Bruno Ganz’ Brief samt Iffland-Ring. - © apa

Wien. (pat) "Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze", heißt es bekanntlich bei Schiller. Schauspielerruhm ist eben ein flüchtiger Gegenwartsmoment. Ehrungen, Preise und diverse Auszeichnungen gibt es in der Theaterwelt mittlerweile zuhauf, aber es gibt nur einen Iffland-Ring.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert wird der diamantenbesetzte Eisenring weitergegeben, seit 1954 befindet sich das Schmuckstück zweckgebunden im Eigentum der Republik Österreich, das Burgtheater richtet traditionell die Übergabe aus. An diesem Sonntag (16. Juni) ist es wieder so weit: Jens Harzer wird die Auszeichnung im Rahmen einer Matinée im Burgtheater überreicht.

Ehrung der Superlative

Jens Harzer, Schauspieler und Iffland-Ring Träger. - © dpa/F. Rumpenhorst
Jens Harzer, Schauspieler und Iffland-Ring Träger. - © dpa/F. Rumpenhorst

Für die schauspielerverliebte Theaterstadt Wien ist dieses traditionsreiche Prozedere wie geschaffen. Es ist eine Ehrung der Superlative, für den "bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler" und wird gemäß den Statuten auf Lebenszeit vergeben.

Der am 16. Februar 2019 verstorbene Bruno Ganz vermachte Harzer die Auszeichnung, nachdem der ursprünglich bestimmte Nachfolger Gert Voss bereits 2014 verstarb. Auch Harzer muss innerhalb kurzer Zeit eine Nachfolge testamentarisch bestimmen und im Bundeskanzleramt hinterlegen. "Einer meiner liebsten Theaterschauspieler ist Martin Wuttke", sagte Harzer in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Weil der, bei aller Verausgabung und Erschöpfung, den Auspuff immer mitspielt." Traditionell wurde der Iffland-Ring stets an Männer weitergegeben. 1978 stiftete die Bundesregierung im Sinne der Gleichberechtigung den Alma-Seidler-Ring, den gegenwärtig Burg-Schauspielerin Regina Fritsch innehat. Dem Vorbild des Iffland-Rings folgend, wird auch dieses Schmuckstück auf Lebenszeit verliehen.

"Natürlich ist man nicht ‚der Würdigste‘, die Formulierung ist ja absurd", sagte der neue Iffland-Ring-Träger im "Spiegel"-Interview, in dem er sich auch an die gemeinsame Probenarbeit mit Bruno Ganz erinnerte: München, 1996 in Botho Strauß‘ "Ithaka", Bruno Ganz als Odysseus und Jens Harzer als dessen Sohn Telemach. "Er war auf eine besondere Art verschlossen", so Harzer. "Als Jugendlicher war er für mich ein Idol, vor allem durch seine Filme." Allerdings habe Ganz während der Proben in München "einen Alkoholrückfall" gehabt. "Das war nicht einfach." In ihrem Verhältnis über die Jahre gab es "eine liebevolle Distanz, das wird mir fehlen".

In Österreich ist der Wiesbadner Bühnenkünstler vor allem durch zahlreiche Engagements bei den Salzburger Festspielen bekannt: Von 2001 bis 2004 mimte er den Tod in Hofmannsthals "Jedermann", 2008 spielte er in Andrea Breths Bühnenversion von Dostojewskis "Verbrechen und Strafe", 2011 in Dimiter Gottscheffs Uraufführung von Peter Handkes "Immer Noch Sturm". 2016 brillierte er in Deborah Warners Version von Shakespeares "Der Sturm" als Caliban. Im vergangenen Sommer überzeugte er als Achill an der Seite von Sandra Hüller in Johan Simons fulminanter Zwei-Personen-Version von Kleists "Penthesilea" und erhielt dafür seine zweite Nestroy-Nominierung (nach 2000 für "Der Name" von Jon Fosse). 2008 und 2011 wurde er in der Kritiker-Umfrage des Fachblatts "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres gewählt. Seit 2009 ist Harzer Ensemblemitglied am Hamburger Thalia Theater.

Auch im Kino war Harzer mehrfach zu sehen - in Hans-Christian Schmids "Requiem", und in Wim Wenders Handke-Verfilmung "Die schönen Tage von Aranjuez". Im TV hatte er Auftritte etwa in "Tatort" und "Der Tatortreiniger".

Nun also der Iffland-Ring. Gratulation, Jens Harzer.