Während der designierte Volkstheater-Direktor Kay Voges sich mit dem Haus und seinen Mitarbeitern vertraut macht, laufen die Vorbereitungen für die Generalsanierung der Wiener Traditionsbühne auf Hochtouren. Die Spielzeit endete bereits am 19. Juni, nun übernehmen die Bauarbeiter im Haus am Arthur-Schnitzler-Platz die Regie. Während der Sommerpause werden bereits erste Bauschritte umgesetzt.

Bis zur Saisoneröffnung am 11. September, Intendantin Anna Badora bringt Doderers "Merowinger" auf die Bühne, sollen wichtige Vorbereitungsmaßnahmen für Außen- und Innensanierung des Hauses abgeschlossen sein. Ab Ende Juli soll ein Teil der Fassade eingerüstet sein. Die Generalsanierung umfasst eine dringend notwendige Rundumerneuerung vom Dach bis zur Roten Bar, zuletzt wurde das 1889 erbaute Haus in den 1980er Jahren saniert. Die Kosten für das Revitalisierungsprojekt belaufen sich auf 27,3 Millionen Euro, Stadt und Bund beteiligen sich zu gleichen Teilen mit insgesamt 24 Millionen. Den allfälligen Restbetrag von 3,3 Millionen Euro wird die Bühne selbst aufbringen. 1,2 Millionen wurden bereits in die Zuschauertribüne investiert.

Bisher sind Sponsoringmaßnahmen eher schleppend angelaufen, Der kaufmännische Geschäftsführer Cay Stefan Urbanek zeigt sich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" indes überzeugt davon, in einem neuerlichen Anlauf Gelder lukrieren zu können. Den fehlenden Betrag wird das Haus jedenfalls über Kredite aufbringen.

Das Budget ist freilich knapp kalkuliert: "Wir haben keinen Spielraum bei den Mitteln", so Urbanek, sollte es zu unvorhergesehenen Preissteigerungen kommen, müsse man überlegen, auf welche Detailschritte man verzichten könnte.

Zu Silvester fällt der letzte Vorhang im Haupthaus, am 15. Jänner 2020 wird mit der David Schalko Uraufführung "Schwere Knochen" das Ausweichquartier in der Halle E im benachbarten Museumsquartier bezogen, bis April 2020 wird dort gespielt werden.

Historisches Flair

Unterdessen verwandelt sich das Volkstheater in eine Baustelle. Geplant sind Verbesserungen im Zuschauerbereich (Klimaanlage, Barrierefreiheit) sowie eine Modernisierung der Bühnentechnik (Schnürboden, Ton- oder Lichtanlage). Oberste Priorität hat dabei das neue Bühnentor auf der Burggassenseite. Bei der Hinterbühne wurde 1889 gespart, daher musste bisher der Niveauunterschied zwischen Straße und Bühne mühevoll überwunden werden. Die neue Seitenbühne soll Arbeitsabläufe wesentlich erleichtern.

Wo gegenwärtig der Kartenverkauf untergebracht ist, soll künftig ein Kaffeehaus die Pforten öffnen - "ein profitabler Betrieb sollte an dem Standort möglich sein", so Urbanek. Die Rote Bar soll schalldicht vom Theater getrennt werden, um als eigenständiger Veranstaltungsort zu fungieren. Die Tageskassa übersiedelt ins nordseitige Vestibül, die Garderobe in den ungenützten Bereich unter der Tribüne. Um mehr Büroräumlichkeiten zu gewinnen, wird das Dach angehoben. Insgesamt soll das Haus wieder im historischen Flair erstrahlen, dafür werden originalgetreue Lampenschirme angebracht.

Plangemäß soll die Sanierung bis Oktober 2020 fertiggestellt werden, rechtzeitig zur Saisoneröffnung des neuen Intendanten Voges. Urbanek zeigt sich zuversichtlich, diesen engen zeitlichen Horizont einhalten zu können, auch nachdem die Sanierung bereits einmal verschoben wurde: "Jede weitere Verzögerung würde die Kosten in die Höhe treiben."•