Mailand. Dass der Aufsichtsrat der Mailänder Scala die Amtszeit von Alexander Pereira nicht über 2020 hinaus verlängert, hat ein künstlerisches Nachspiel: Cecilia Bartoli (53), Star-Mezzosopranistin und Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele, sagt aus Solidarität mit dem Intendanten drei Händel-Opern ab, deren Aufführungen im kommenden Oktober, sowie 2020 und 2021 geplant sind. Damit drücke sie ihre Solidarität mit Pereira aus, berichtete die Tageszeitung "Corriere della Sera". Cecilia Bartoli hat 2012 die Leitung der Pfingstfestspiele übernommen und eng mit Pereira zusammengearbeitet, der im gleichen Jahr Intendant der Salzburger Festspiele (bis zu seiner vorzeitigen Vertragsauflösung nach Ende der Festspiele 2014) wurde und dessen Wunsch-Intendantin Bartoli war.

Auf ihrer Facebook-Seite kündigte Bartoli an, dass sie nicht die Rolle der Cleopatra in der im Oktober geplanten neuen Produktion von Händels "Giulio Cesare in Egitto" in der Regie von Robert Carsen übernehmen wird. Die Scala hat bereits mit dem Verkauf der Karten für die Oper begonnen. "Cecilia Bartoli wird nicht an dieser Produktion teilnehmen", heißt es auf Facebook.

Das Theater erwiderte in einer Presseaussendung, es habe mit Bedauern den Beschluss Bartolis zur Kenntnis genommen, sich von den Aufführungen von "Giulio Cesare in Egitto", sowie von "Semele" im Jahr 2020 und "Ariodante" 2021 zurückzuziehen.

Dominique Meyer dürfte über die Intendanz der Mailänder Scala verhandeln. - © APAweb/APA/HERBERT NEUBAUER
Dominique Meyer dürfte über die Intendanz der Mailänder Scala verhandeln. - © APAweb/APA/HERBERT NEUBAUER

Der "Corriere della Sera" berichtete in der Sonntagsausgabe von einem Schreiben von Bartolis Ehemann und Manager Oliver Widmer an Pereira. "Cecilia ist vom Beschluss des Scala-Aufsichtsrats geschockt, Dich nicht im Amt zu bestätigen. Unter diesen Bedingungen hält sie es nicht für möglich, mit der Scala zusammenzuarbeiten", so das Schreiben.

Scala unter Druck

Bartolis Beschluss setzt die Scala unter Druck, denn er könnte ein erster Dominostein sein. Pereira unterhält nämlich auch sehr freundschaftliche Beziehungen zum Stardirigenten Zubin Mehta, der laut der Mailänder Tageszeitung wegen des Wechsels an der Scala-Spitze ebenfalls Auftritte in Mailand absagen könnte. Auch der Chefdirigent der Scala, Riccardo Chailly, hatte sich im Vorfeld der Entscheidung nachdrücklich für den Verbleib Pereiras ausgesprochen.

Beobachter erwarten, dass der Wiener Staatsoperndirektor Dominique Meyer am 28. Juni als neuer Intendant der Mailänder Scala bekanntgegeben wird. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht. Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala, Präsident der Scala-Stiftung, führt laut dem "Corriere" mit Meyer Gespräche, um die Modalitäten eines Wechsels zu klären. (apa/red)