Wien. (pat) An deutschen Bühnen ist das Genre Theaterpädagogik längst fixer Bestandteil, während sich hierzulande die entsprechenden Bemühungen meist in Künstlergesprächen und Schulaufführungen erschöpften; Spielclubs und Theaterlabors haben die großen Wiener Bühnen bis vor kurzem noch dem Kinder- und Jugendtheater überlassen. Das hat sich grundlegend geändert. Theaterpädagogik ist nunmehr auch in Wien in all seinen Facetten angekommen. Burg- und Volkstheater überbieten einander geradezu mit Mitmach-Angeboten, die meisten davon sind kostenlos. Es gibt Workshops, die für alle offen sind, und geschlossene Spielclubs, deren Teilnehmer sich regelmäßig treffen, um eine Aufführung zu erarbeiten. Angebote für Schulen werden maßgeschneidert.

Auch der designierte Burgtheater-Direktor Martin Kušej, betonte mehrfach, dass die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen in seiner Amtszeit einen besonderen Stellenwert einnehmen werde. Die vielfältigen Aktivitäten des neu gegründeten "Burgtheaterstudios" wurden nun im Rahmen eines Pressegesprächs präsentiert. Zusätzlich zu den wöchentlichen Workshops und mehrwöchigen Theaterlabors der "Offenen Burg", die bereits Karin Bergmann initiierte, wird die Zusammenarbeit mit Schulen angekurbelt.

Burgtheater mobil

Derzeit gibt es Partnerschaften mit 14 Schulen aus Wien und Niederösterreich. In den kommenden zwei Jahren werden dabei 6300 Schüler aus Volksschulen, Neuer Mittelschule, Gymnasium und Handelsakademie regelmäßig das Burgtheater besuchen, an Workshops teilnehmen und das siebenköpfige Team des Burgtheaterstudios wird in die Schulen gehen.

Es geht um inhaltliche Arbeit an den Stücken genauso wie um das Kennenlernen kreativer Techniken, die auch im Regelunterricht angewandt werden können. "Wir werden einen Link vom Theater in ihre Lebenswelt setzen", sagt Anja Sczilinski, Leiterin des Burgtheaterstudios.

Erfreut zeigt sich auch Bildungsdirektor Heinrich Himmer: "Die Schulen mit verbilligten Karten einzubinden ist schön, aber nicht nur dabei zu sein, sondern auch Teil zu sein ist noch viel schöner." Einzelne Kurse sind im Rahmen der Lehrerfortbildung machbar. Zum Ort der kreativen Begegnung mit den Schülern wurde das Vestibül ernannt. Die Schulpartnerschaften sollen nach Möglichkeit ausgeweitet werden.

Eine weitere Novität ist das Burgtheater Mobil: In der kommenden Spielzeit können die Kinderstücke "Thomas und Tryggve" und "Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin" von Schulen und Einrichtungen gebucht werden. Theater on the road.

In der kommenden Saison richten sich sieben Stücke dezidiert an ein Publikum von sechs bis 16 Jahren. Das Kinderstück "Wie versteckt man einen Elefanten" wird im Oktober im Kasino Premiere feiern. Evan Placeys "Mädchen wie die", eine Abhandlung über Frauenfeindlichkeiten von der Hexenverfolgung bis zum Cybermobbing, wird im April 2020 im Vestibül gezeigt und ist für ein junges Publikum ab zwölf Jahren gedacht.

Künftig werde es auch Familienstücke im Burg- und Akademietheater geben, so Vizedirektorin Alexandra Althoff. "Zahlreiche Studien belegen: Wer in jungen Jahren nicht ins Theater geht, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit zunehmendem Alter nicht tun", sagt Althoff. Positiver Nebeneffekt des Burgtheaterstudios: Es sorgt im Idealfall für das Publikum von morgen.