Wien. Während die Quecksilbersäule steigt, erhöht sich auch die Betriebstemperatur unter Künstlern: Rund um Wien starten die Sommertheater. Mit dabei der Wiener Choreograf, Regisseur und Impresario Bernd Bienert: Sein Teatro Barocco lässt Opernraritäten des 18. Jahrhunderts im Klangbild und Gewand der Zeit auferstehen. Ein Gespräch über Festivals, Authentizität und überhörte Ironie.

"Wiener Zeitung":Die meisten Sommerfestivals rund um Wien finden draußen statt. Müssen Sie manchmal Aufklärungsarbeit leisten, dass Ihre Opernabende nicht im Freien ablaufen?

Bernd Bienert: Nein. Aber wir müssten in diesen Zeiten wohl mehr darauf hinweisen, dass es eine Klimaanlage gibt. Früher spielten wir auf Stift Altenburg, da wurde es manchmal so heiß, dass manche wieder heimfuhren.

Oper im intimen Rahmen: Bernd Bienert. - © Barbara Pálffy
Oper im intimen Rahmen: Bernd Bienert. - © Barbara Pálffy

Sie waren mit dem Teatro Barocco früher Teil des Festivalverbunds Theaterfest Niederösterreich . . .

. . . aber das haben wir beendet. Das Theaterfest wollte, dass wir mehr als 200 Sitze aufstellen. Ich will Oper aber in den Dimensionen des 18. Jahrhundert zeigen und den Menschen ein unmittelbares Erlebnis bieten. Wenn die Sänger Rezitative brüllen müssen, verliert sich die Intimität. Ich möchte mich nicht in der Konkurrenz großer Festivals sehen, wo man einen Sänger mit dem Feldstecher suchen muss. Dabei müssen wir drinnen arbeiten; draußen wäre ein Barocktheater, dessen handgemalte Kulissen von der Seite hereingeschoben werden, nicht möglich. Jetzt bespielen wir den historischen Theatersaal im Congress Casino Baden.

Der Festivalsommer in Österreich. - © APA
Der Festivalsommer in Österreich. - © APA

Wie steht Ihr Festival finanziell da?

Plus minus null. Wenn wir Mozart spielen, geht’s natürlich. Bei den Raritäten, die ich wieder bekannt machen will, ist es aber schwierig. Wir bekommen zwar vom Land Niederösterreich Fördermittel. Man darf sich aber nicht vorstellen, dass damit alles bezahlt wäre. Die Hälfte müssen wir selbst verdienen. Es wird vorausgesetzt, dass der Verein viel unbezahlte Arbeit macht. Wenn das Publikum nicht in Scharen strömt, geht es sich nicht aus. Wir leben von der Hand in den Mund.

Wie viel kosten Karten bei Ihnen?

Die billigsten 48 Euro - ungefähr so viel wie beim Liederabend eines prominenten Sängers. Wir können zwar nicht mit großen Namen aufwarten, aber unser "Star" sind Opern, die wir mit den Mitteln des 18. Jahrhunderts aufzuführen versuchen.

Sie zeigen ab 14. Juli Joseph Haydns "Ariadne auf Naxos" und die Komödie "Der gute Ehemann" von dessen Zeitgenossen Georg Anton Benda. Geboten wird nicht nur Musik im zeittypischen Klangbild, sondern auch eine "historische" Inszenierung. Wie sinnvoll ist das?