Darf eine Auferstehungsszene auch 2019 schön anzusehen und anzuhören sein? Das akklamierende Publikum gab die Antwort: ja natürlich - noch dazu, wo der Stoff zu "Maria Magdalena" auch kirchenintern derart aktuell ist. Frauenpower rund um Jesus: Komponist Wolfram Wagner hat sich mit seiner kammermusikalisch einfachen, in Melodie und Choral beheimateten Auftragskomposition für das Land Niederösterreich kaum Freunde in der avantgardistischen Fachschaft gemacht - mit Monika Steiner stand ihm eine profunde Librettistin ebenso wie Retz-erfahrene Regisseurin zur Seite.

Eben eröffneten Gebetsgesänge das klassische apostolische Abendmahl-Tableau von Bühnenbildner Alexander Löffler. Plötzlich zerfällt alles, Einfachheit regiert Szene und Musik. Dramatisch vorantreibende Hauptrolle kommt den Orchesterintermezzi zu: Mit jedem Takt macht Dirigent Andreas Schüller in der punktgenauen Partitur den Leidensweg Christi deutlicher. In jedem, durchgehend mit brillanter Deutlichkeit artikuliertem Wort fiebern die Besucher intensiver mit. Welchen Aufruhr verursacht die Kunde von der der Verfolgung hin zur Kreuzigung Jesu. Petrus (exzellenter Tenor: Michael Nowak) macht sich Vorwürfe, Johannes (grandioser Counter von Alois Mühlbacher) fehlt der Halt. Felsen in der Brandung bleiben die Frauen: Dominante Stärke verströmt Mutter Marias Mezzosopran (Monika Schwabegger), Sopranistin Ursula Langmayr, ausgestattet mit unglaublicher Strahlkraft in Stimme und Bühnenpräsenz, erlebt und verbreitete in der Titelrolle schlussendlich das Wunder der Auferstehung.