Berserker! So wurde er in seinen Anfängen genannt. Johann Kresnik, 1939 in Kärnten geboren, erarbeitete 1988 am Theater Heidelberg seine Tanztheater-Version von Shakespeares "Macbeth". Gottfried Helnwein gestaltete das Bühnenbild, die Musik komponierte Kurt Schwertsik. Am 11. Juli 2019 eröffnet eine Rekonstruktion dieser bildgewaltigen Arbeit die 36. Ausgabe des Impulstanz Festivals.

Initiiert von Mei Hong Lin, Leiterin der Tanzsparte am Landestheater Linz, konnten mithilfe alten Videomaterials die Dimensionen der Bühnenbauten berechnet und die choreografischen Abläufe nachgebildet werden. Bei jedem Todesfall - und bei "Macbeth" gibt es derer ja einige - pumpen Schläuche Blut in ein Becken. Ein Eisentor mit Riegel öffnet sich, entlässt die Schwerarbeit-Tanzkörper in den Raum. Sie hantieren mit Messern, Gedärmen und Riesen-Stiefeln. "Macbeth" emanzipiert sich von der Shakespeare Vorlage, wird zur assoziativen Meditation über Gewalt.

Körper, wie sie sind

Bis 11. August stehen bei Impulstanz 65 Produktionen auf dem Programm. Da bleibt es nicht bei tanzgeschichtlichen Monumental-Werken. Doris Uhlich, eine der wichtigsten zeitgenössischen Choreografinnen aus Österreich, zeigt am 12. und 14. Juli ihre neue Solo-Arbeit "Tank". Wieder in Zusammenarbeit mit dem DJ Boris Kopeinig, bewegt sich Uhlich diesmal in einer Glasröhre. Das Thema Körpermodifikation wird zwischen utopischem Potenzial und dystopischen Gefahren ausgelotet. Uhlich arbeitet kontinuierlich an Themen, zwischen ihren Arbeiten lassen sich Querverbindungen und Entwicklungen ausmachen. Sie interessiert sich für Körper wie sie sind, nicht wie sie sein sollen. Das macht ihre Arbeiten so befreiend, wie beruhigend.

Die [8:tension]-Reihe präsentiert dieses Jahr 12 Arbeiten von jungen Choreografie-Schaffenden. Darunter auch "Hate me, tender", eine Performance der in Wien geborenen, in der Schweiz lebenden Teresa Vittucci. "Hate me, tender" will die Jungfrau Maria aus dem biblischen Zusammenhang emanzipieren und als queere Feministin etablieren. Ein reizvolles Vorhaben, das von Vittucci provokant und ironisch verfolgt wird.

Tanz mit Schiele

Seit 2015 setzt Impulstanz verstärkt auf Kooperationen mit der bildenden Kunst. So wird beispielsweise Philipp Gehmacher eine Museumsversion seiner 2018 im Tanzquartier uraufgeführten Produktion "It is a balancing act to live without your attention" im Mumok zeigen. Der Tänzer und Choreograf pendelt mit seinen Arbeiten zwischen Black Box und White Cube. Auch der im Burgenland geborene Choreograf Chris Haring wird mit seiner Company Liquid Loft beim Festival im Museum gastieren. Die Uraufführung von "Stand-Alones (polyphony)" erfolgt am 1. August im Leopold. Vor den Werken von Egon Schiele inszeniert Haring mit acht Tänzerinnen und Tänzern eine Auflösung des Subjekts in Mehrstimmigkeit. 2005 gegründet, erhielt Liquid Loft 2007 den Goldenen Löwen für die Beste Performance auf der Biennale in Venedig. Die Arbeiten zeichnen sich durch ein höchstes Maß an Präzision aus.