Nach einem Jahr Zwangspause und Einigung im Subventions-Streit gibt es wieder "Oper im Steinbruch" in Sankt Margarethen. Mit Mozarts "Zauberflöte" strebt man auch künstlerisch einen Neuanfang an. Carolin Pienkos und Cornelius Obonya wurden engagiert - die zweite Opernregie des Theater-Ehepaares.

Die beiden verzichten auf jegliche Freimaurer-Symbolik. Im Fokus steht der Kampf der Geschlechter und Generationen: Die Zauberflöte als Coming of Age-Drama und Beitrag zur MeToo-Debatte. Tamino flieht in der Eröffnungsszene nicht vor einer Schlange, sondern ist mit bei den Armen durch lange rote Bänder gefesselt und fleht um Befreiung aus der (elterlichen?) Umklammerung.

Vor allem im zweiten Akt spitzen Pienkos und Obonya in den stark bearbeiteten Dialogen die Handlung auf grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu: die Zauberflöte als Allegorie der Menschenrechte. Das verleiht der Figur der Pamina neue Facetten - auch im Hinblick auf die Vergewaltigungsversuche durch Monostatos.

Pienkos und Obonya überraschende und überzeugende Lösungen - etwa, wenn Papagena in Papagenos Arie "Ein Mädchen oder Weibchen" einsteigt und sich die Geschlechter in der Repräsentation ihrer Wünsche und Begierden auf Augenhöhe begegnen. In Bezug auf das Reich Sarastros wirkt das Thema gut gemeint, aber aufgepfropft: Sarastro muss die allgemeine Gleichberechtigung gegen die wütende Männerriege der Priester durchboxen. Das Finale birgt ein utopisches Moment: Die Königin der Nacht wird von Sarastro nicht vertrieben, sondern Sonnen- und Nachtreich versöhnen sich in imperialer Geste.

Das Bühnenbild von Raimund Bauer hebt das Geschehen auch optisch ins Universelle. Der weiße Kegel aus Kugeln wird als dreidimensionale Leinwand für Projektionen zu einem schnell verwandelbaren Bühnenhintergrund. Aus einem Sternenhimmel wird so flugs ein schwindelerregender Tanz der Planeten oder eine beeindruckende Feuerwand.

Zoten und bezaubernde Töne

Für erhitzte Pausengespräche sorgt der Papageno: Schauspieler Max Simonischek spricht weder wienerisch noch ist er ein guter Sänger. Schikaneder, der Papageno der Uraufführung, war ja auch ein Schauspieler-Sänger, ließe sich argumentieren. "Mein Name ist Geno. Papageno" kalauert Simonischek. Diese manchmal banalen Zoten wirken dank punktgenau abgelieferter Pointen überraschend frisch - da wird die Theatererfahrung des Regieteams spürbar. In den Duetten mit Pamina reibt sich sein Sprechgesang mit bezaubernden Tönen: Es ist pure Wonne, der Stimme der gebürtigen Rumänin Ana Maria Labin zu lauschen. Fokussiertes Vibrato trifft auf lupenreine Intonation.

In derselben Liga singt Luke Stoker - er verleiht dem Sarastro Mächtigkeit, Dominanz und Agilität. Die Griechin Danae Kontora kann ihr kraftvolles Stimmmaterial nicht immer im Zaum halten, die Folge sind kleine Intonations-Eintrübungen. Attilios Glaser (Tamino) tendiert gegen das kernig-metallische Ende des Tenorspektrums, Theresa Dax legt eine witzige Performance als Zombie-Papagena hin. Die drei Damen sind ein stimmlich berückend ausgeglichenes Trio, ebenso die Knaben aus dem Chor der St. Florianer Sängerknaben. Das präzis musizierende Orchester der Budapester Philharmonischen Gesellschaft ist ein Gewinn, Dirigent Karsten Januschke ist an straffen Tempi interessiert, aber auch an der inhaltlich-musikalischen Ausarbeitung der Arien. Eine "Zauberflöten"-Version, die die Reise ins Burgenland lohnt.