Bregenz. Präsident Alexander Van der Bellen hat am Mittwoch mit der Mahnung zu einem sorgsamen Umgang mit politischer Macht und einem Appell hinsichtlich des Klimawandels die 74. Bregenzer Festspiele eröffnet. Die Festgäste spendeten ihm großen Applaus, auch für sein Verhalten nach dem Auftauchen des "Ibiza-Videos". Den künstlerischen Auftakt des Festivals bildete am Abend die Premiere von "Rigoletto".

Der Bundespräsident machte nicht die Kunst zum Inhalt seiner Rede. Vielmehr nahm er das "Ibiza-Video" und seine im Bezug auf das Video getroffene Feststellung "So sind wir nicht" als Ausgangspunkt für seine Worte. Wer durch demokratische Wahl in eine Machtposition gekommen sei, den sollte man daran erinnern, dass "damit eine Verpflichtung einhergeht, mit dieser auf Zeit geliehenen Macht sorgsam umzugehen", mahnte Van der Bellen. Die gegebenen Herausforderungen - als drängendste führte Van der Bellen den Klimawandel ("eigentlich ist das ein Euphemismus") an - ließen sich nur gemeinsam und mit großen Anstrengungen lösen, betonte das Staatsoberhaupt.

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"Bewusstsein wird wachsen"

"Wir alle werden uns aus unserer Komfortzone herausbewegen müssen", stellte Van der Bellen fest, damit aus dem Klimanotstand nicht eine Klimakatastrophe werde. Die Jugend gehe dabei mit positivem Beispiel voran und sage uns etwas Richtiges: "Ihr riskiert unsere Zukunft und letztlich unser Leben!" Er sei aber sehr zuversichtlich, dass dieses Bewusstsein bei den meisten von uns wachse. Am Ende seiner Rede hoffte Van der Bellen, dass die heute Jüngsten im Publikum im Alter zurückblicken und sagen können: "Ja, es waren Probleme, Herausforderungen, Opportunitäten, ja, wir haben es geschafft".

Auch Kulturminister Alexander Schallenberg unterstrich den Wert der Gemeinsamkeit. Er schilderte Festspiele als einen Ort der Selbstvergewisserung, "dass es auf unserem europäischen Kontinent etwas über alle Sprach- und Landesgrenzen hinweg Gemeinsames, etwas Verbindendes gibt, das ist die Kunst". Und wenn uns Don Quijote an eine Sache erinnere, dann daran, dass nicht alle unsere Kämpfe gleichermaßen sinnvoll seien. Die sprichwörtlichen Mühlen des Don Quijote seien heute wohl die allzu oft hasserfüllten Debatten im öffentlichen Raum und in den Social Media. Und so drohe am Ende auf der Strecke zu bleiben, "was uns allen gemeinsam am teuersten sein sollte: die Suche nach Wahrheit. Der Blick für das Gemeinsame, für das Verbindende auf diesem Kontinent. Die Toleranz. Und der Respekt vor unserem Nächsten. Egal, ob online oder offline, egal, ob wir der gleichen Meinung sind oder uns ideologische Welten trennen", so Schallenberg.