Oase zum Auftanken

Konkret würdigte der Minister die Bregenzer Festspiele als "etwas ganz Besonderes", als eine "Bühne, die längst zur künstlerischen Visitenkarte, ja zum Aushängeschild Österreichs in der ganzen Welt geworden ist". Für ihn persönlich seien Festspiele wie eine Oase, in der man auftanken und sich inspirieren lassen könne. Und es seien auch Treffpunkte, an denen Menschen aus allen Ecken und Enden der Welt für einige Tage zusammenkommen, sich kennenlernen und austauschen.

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler hatte schon vor der Rede des Bundespräsidenten Bezug auf die Folgen des "Ibiza-Videos" genommen, indem er Van der Bellen dankte: "Sie haben uns in den letzten Wochen gezeigt, wie wichtig das Amt des Bundespräsidenten ist, Sie haben uns auch gezeigt, wie richtig unsere Verfassung ist". Dafür gab es großen Applaus. Er bezeichnete es als das "Charakteristische der Bregenzer Festspiele, dass sie in bewährtem Rahmen noch neue, überraschende und überzeugende Antworten finden - Sie werden es erleben - auf das Was, das Wie, das Weshalb und das Wozu von Kunst". Wohin sich unser Land bewege, sei auch eine Frage des Kulturverständnisses. Kulturverlust bedeute zwangsläufig einen Verlust an Humanität. Als Rezept für ein funktionstüchtiges Nervensystem einer Zivilgesellschaft - das sage er "Jahr für Jahr" - nannte Metzler: "wesentliche Förderung von Bildung und von Wirtschaft über den Kulturbereich".

Realitäten und Visionen

Mit und über Kunst ein volkswirtschaftlicher Faktor sein zu wollen, sei nicht nur legitim, sondern oft zwingend notwendig. "Es gelingt hier!", sagte Metzler für das Bregenzer Festival. Das Unternehmen "Bregenzer Festspiele" stehe solide da und plane solide. Gemeinsam erkenne man Realitäten und schöpfe Visionen aus. So gehöre auch zur kulturpolitischen Vernunft und Weitsicht, dass in den nächsten Jahren Festspielhaus, Bühne und Tribüne saniert werden - die Instandsetzung soll von 2021 bis 2023 erfolgen, gerechnet wird mit Kosten von 55 Mio. Euro.

Wie in den vergangenen Jahren präsentierten sich die Verkaufszahlen der Bregenzer Festspiele schon vor Festival-Beginn in bestem Licht. Für die insgesamt 27 Vorstellungen von Giuseppe Verdis "Rigoletto" auf der Seebühne, für die 192.000 Tickets aufgelegt wurden, sind nur noch Restkarten erhältlich. Dasselbe gilt für Jules Massenets "Don Quichotte", die Oper im Festspielhaus feiert am Donnerstag Premiere. Insgesamt stehen 80 Veranstaltungen auf dem Programm, für die 215.000 Tickets ausgegeben werden.