Es ist heiß im Sommer von Portugal. Die Mädchen liegen am Strand, paradieren in der Abendluft am Hauptplatz, die Männer gaffen; die Mama serviert das Essen und streicht ihrem großen Jungen bei jedem Gang über den Kopf. 1998 hat das Tanztheater Wuppertal unter seiner Chefin und Choreografin Pina Bausch "Masurca Fogo" auf Einladung der Expo 98 in Lissabon uraufgeführt. Seitdem reist dieses Stück durch alle Kontinente und ist endlich auch in Wien gelandet. ImPulsTanz hat die jahrelang im Voraus vergebene Compagnie ins Burgtheater geholt. An der gelungenen und bejubelten Aufführung hätte die Gründerin ihre Freude gehabt.

Pina Bausch ist 2009 verstorben und das Ensemble muss sich neu formieren, bereits die Hälfte der Gruppe hat Bausch niemals kennengelernt, war nicht mit der Compagnie in Portugal, um das Leben unter südlicher Sonne zu lernen, den Alltag, die Rituale und Gewohnheiten zu studieren. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer mussten in die Haut anderer schlüpfen, die, vor allem in den Solos, ihre persönliche Choreografie getanzt haben. Der Unterschied ist nur mit dem Opernglas zu erkennen. Dennoch scheint das Ensemble eine Einheit zu bilden, zumindest in diesem Stück, das so heiter, ironisch und romantisch daherkommt. Heiß sind nicht nur die Sonne und die Musik,, auch die Sehnsucht brennt und das Begehren, die Eifersucht und Rivalität. Es wird mehr getanzt unter der südlichen Sonne als in jedem anderen Pina-Bausch-Stück. Möglich, dass sich im Lauf der Jahre die Pointen etwas überdreht haben, soviel gelacht wird selten bei Pina Bausch. Manches wirkt etwas altbacken. Doch am Strand wird das Leben nicht so ernst genommen.

Déjà-Vus für Fans

Es ist alles da, was die Choreografien von Pina Bausch ausmacht. Sie hat es geliebt, sich selbst zu zitieren, ihren Fans Déjà-vus zu schenken. So können auch im Burgtheater schlendernde Tänzer gesehen werden, oft banale Sätze gehört und über die lebenden und schon toten Tiere, die verlockenden Früchte und die ungeküssten Küsse gestaunt werden. Und Wasser gibt es auch, zum Planschen, Schwimmen (mit Fischschwanz) und Spritzen, bis die verführerisch gelüpften Röcke der Damen triefen.

Das einfache, jedoch eindrucksvolle Bühnenbild - ein weißer Guckkasten, der durch Videoeinspielungen scheinbar erweitert wird, ein glatter, begehbarer Lavafelsen im Hintergrund - stammt von Peter Pabst. Die Kleidchen und Anzüge hat die ehemalige Tänzerin und langjährige Kostümbildnerin in Wuppertal, Marion Cito, entworfen. Die Liste der verwendeten Musik ist ellenlang, reicht von Fado über Tango und Bossa Nova bis Jazz.

Am Ende rauscht bedrohlich Meer, scheint die Bühne zu überschwemmen, doch es wird weitergetanzt, getanzt bis zum Umfallen. Der Himmel hat sich rosenrot gefärbt und die Choreografie landet mit einer abgegriffenen Metapher in der Kitschkiste. Popmusik aus den 1990ern erklingt, während sich im Zeitraffer bunte Blüten öffnen. Das Publikum schwelgt auch darin. Pina Bausch ist unantastbar.