Willy Dirtl als Othello und Christl Zimmerl als Desdemona. - © Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
Willy Dirtl als Othello und Christl Zimmerl als Desdemona. - © Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Kitzbühel. Willy Dirtl ist, wie erst jetzt bekannt gegeben wurde, am 17. Juli in Kitzbühel gestorben. Dirtl galt in den 1960er Jahren als einer der besten Tänzer weltweit.

An der Wiener Staatsoper wurde der am 4. März 1931 als Wilhelm Franz Dirtl in Leopoldsdorf geborene Star als "Wiener Tanzlegende" und "Wiener Tanzwunder" gefeiert. 1940 war Dirtls als Eleve an die Ballettschule der Wiener Staatsoper gekommen. 1948 wurde er beim Corps de ballet des Staatsopernballetts angestellt, 1950 wurde er Entréetänzer und 1954 Erster Solotänzer. In dieser Zeit absolvierte er auch zahlreiche Auslandsauftritte.

Tanz als Charakterstudie

Dirtl galt als graziöser Tänzer. Sein Repertoire umfasste das gesamte klassische Fach und obendrein das Charakterfach. Alle Aufmerksamkeit zog er auf sich, als er anlässlich der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper im Haus am Ring bei der Ballettpremiere im November 1955 zwei tragische Helden kreierte, nämlich den Herzog Albrecht in Gordon Hamiltons Fassung von "Giselle" und den Othello in Erika Hankas Ausdrucksballett "Der Mohr von Venedig" mit der Musik von Boris Blacher.

Dirtls Rollen waren denkbar unterschiedlich, und alle erfüllte er mit seiner Kunst, den Tanz nicht nur als ästhetisches Spiel, sondern gerade auch als gestischen Ausdruck zu gestalten. So tanzte er den in Gottfried von Einems "Das Rondo vom Goldenen Kalb", Daphnis in Maurice Ravels "Daphnis und Chloe", den Tiger in Werner Egks Faust-Ballett "Abraxas", den Joseph in Richard Strauss' "Josephslegende", die Titelrolle in Egks "Joan von Zarissa" und die in Béla Bartóks "Der wunderbare Mandarin", den Odysseus in Theodor Bergers "Homerische Symphonie", den Mohr in Igor Strawinskis "Petruschka", die Titelrolle in Luigi Dallapiccolas "Marsyas", Prometheus in Ludwig van Beethovens "Die Geschöpfe des Prometheus", die Titelrolle in Benjamin Brittens "Der Pagodenprinz" und vieles mehr.

Arbeit für den Film

Breiten Bevölkerungsschichten wurde Dirtl durch seine Arbeiten für den Film bekannt. Als Tänzer und Darsteller wirkte er in zahlreichen Spielfilmen mit, etwa in "Hab ich nur Deine Liebe" (1953), "Bei Dir war es immer so schön" (1954) und "Das große Glück" (1967). Choreografien schuf er für die Filme "Kriminaltango" (1960), "Saison in Salzburg" (1961), "Die Fledermaus" (1962), "Hochzeitsnacht im Paradies" (1962), "Der Musterknabe" (1963) und "...und sowas muss um 8 ins Bett" (1965).

Lange Zeit war Dirtl der Wunschkandidat Romola Nijinskis für die geplante Verfilmung des Lebens ihres Mannes Wazlaw Nijinski,

1970 erzwang ein Bühnenunfall das Ende von Dirtls Karriere. In der Folge arbeitete er in der Autofirma seines Schwiegervaters.

Dirtl war mit der Tennisspielerin Erika Dirtl verheiratet, sein Sohn Christoph erlangte als Rallye-Fahrer einen hohen Bekanntheitsgrad. 1992 ernannte die Wiener Staatsoper Willy Dirtl zum Ehrenmitglied, und in der Staatsopern-Ballettschule ist einer der Säle nach ihm benannt.