Während man in der Dresdner Fassung wirklich noch diesen Willen zum Ausbruch und zur Veränderung spürt. Auch in der Holzschnitthaftigkeit, mit der Venus zweimal kommt, etwas will und zweimal scheitert. Meines Erachtens ist trotz dieses Scheiterns viel mehr jugendlicher Weltveränderungsimpuls zu spüren als dann später im Raffinement der Resignation.

Wer ist der Tannhäuser nun eigentlich für Sie? Der Künstler schlechthin oder Wagner selbst?

Wenn man es von Wagner aus betrachtet, dann war der, als er den "Tannhäuser" schrieb, noch keineswegs ein weltweit oder überhaupt anerkannter Komponist, sondern jemand, der unsicher war, wohin es mit ihm im Leben gehen würde. Er wusste noch nicht, ob er im Brockhaus als Revolutionär und politischer Umstürzler oder als Komponist landen würde. Wie Goethe dem Werther hat Wagner als Autor die eigene Angst vor dem totalen Scheitern einer Figur aufgebürdet und dadurch gebannt. Tannhäuser scheitert, damit sein Autor mit diesem Werk als umso strahlenderer Sieger daraus hervorgeht. Für mich spricht dieses Gefühl aus dem Werk.

Auch dieses Umkreisen der Frage Hure gegen die Heilige, oder Libertinage hier und das viel stärker genormte Privatleben da ist eine Ebene, die gar nicht die primäre ist.

Ich glaube, dass Wagner seine politische Haltung eher stark mit der Venusfigur verknüpft hat. Für mich ist es sehr viel mehr ein politisches Stück als ein Sexualitätsdiskurs.

Was ist dann die Wartburg-Gesellschaft?

Die versuche ich dialektisch zu sehen. Es ist ja auch für ihn eine Welt, die ihren Reiz als Ort der Sehnsucht und des Rückzugs hat. Ich tendiere dazu, beide Welten gleichberechtigt zu werten, denn nur so ist dieses Hin-und Hergerissensein spannend. Man soll durchaus erkennen, was für die Wartburg spricht: eine gewisse Form von Kultur, von gesellschaftlicher Ordnung, die ja auch eine gewisse Festigkeit bietet. Man soll Tannhäusers Konflikt spüren, aber ich will als Regisseur nicht vorentscheiden, wie das Publikum sich gegenüber Venus oder Elisabeth verhält. Man muss Venus ein bisschen zugänglicher machen, damit sie keine reine Allegorie ist, und Elisabeth etwas mehr Ecken und Kanten geben. Im Grunde müssen beide Figuren konkreter werden - mehr nicht.

Ohne etwas zu verraten: Wie wird das konkret aussehen?

Ohne, dass ich jetzt etwas verrate: Die Räume werden vielfältiger sein. Ich versuche, das Publikum mehr auf eine Reise mitzunehmen. Auch aus musikalischen Gründen, denn bei keinem anderen Stück Wagners klaffen die musikalischen Welten so auseinander wie in den drei Akten "Tannhäuser".