Sagen wir’s gleich: Politisch korrekt ist an Franz Lehárs "Zigeunerliebe" aus dem Jahr 1910 aus heutiger Sicht gar nichts. Aber welch ein Werk! Und die Aufführung in der Sommerarena Baden ist obendrein vom Feinsten mit einem Ensemble, das in allen Rollen Idealbesetzungen bietet. Wobei speziell Vincent Schirrmacher zu nennen ist, der den Spielmann Jószi mit metallisch leuchtender Höhe ausstattet, und Cornelia Horak, die der stimmartistischen Rolle der Zorika mit strahlender Höhe beikommt - eine echte Operettendiva! Iurie Ciobanu (Jonel) ist zu nennen und Miriam Portmann (Ilona) und und und - man kommt aus dem Schwärmen nicht heraus.

Das Werk selbst? Der Freigeist Zorika kann sich nicht zwischen dem "Zigeuner" Jószi, der in ihr ein Abenteuer sieht, und dem häuslichen Jonel, der sie ehrlich liebt, entscheiden. Sie träumt einen Lebensentwurf mit Jószi - und entscheidet sich für Jonel. Die Frau heirate standesgemäß und sei häuslich - so die ganz und gar operettenkonforme Botschaft. Später hat Lehár das wesentlich differenzierter gesehen. Isabella Fritdum inszeniert das hinreißend mit Augenzwinkern und viel Fantastik in der Traumhandlung.

Die Musik - ein Geniestreich! Die Operette schimmert nur in den feurigen ungarisch getönten Tanznummern durch. Sonst steht das Werk mit vielgestaltiger Harmonik näher den Opern Puccinis. In das melodische und klanglichen Schwelgen mischt Lehár bittersüße Zymbaltöne - so virtuos und so ergreifend hat selbst er nicht oft komponiert. Und das Orchester unter Leitung von Michael Zehetner realisiert das fulminant!