New York/Los Angeles. Harold "Hal" Prince ist am 30. Jänner in der isländischen Hauptstadt Reykjavik gestorben. Prince hat in seiner Laufbahn als Broadway-Produzent Erfolgsstücke wie "West Side Story", "Evita" und "Phantom der Oper" herausgebracht. Er hat 21 Tonys gewonnen. Damit war er der meistausgezeichnete Mensch des Broadway.

Prince wurde am 30. Jänner 1928 in New York City geboren. Er begann seine Broadway-Karriere als Assistent von George Francis Abbott. Seine eigenen Gehversuche als Produzent floppten dann allerdings. Er wollte schon aufgeben, als ihm, quasi in letzter Sekunde, mit dem Musical "Cabaret" von John Kander und Fred Ebb der Durchbruch gelang.

Prince vereinte das Team Kander/Ebb daraufhin für das Musical "Zorba" nach Nikos Kazantzakis' Roman "Alexis Sorbas". Zwar konnte Prince damit den Erfolg von "Cabaret" nicht wiederholen, aber vier Tony Awards festigten seine Position am Broadway und machten ihn zum Erfolgsgaranten.

Der Erfolgsgarant

1960 hatte Prince als Koproduzent mit dem Autor Stephen Sondheim und dem Komponisten Leonard Bernstein bei "West Side Story" zusammengearbeitet. 1970 produzierte und inszenierte Prince nun "Company" mit Text und Musik von Sondheim. Die Produktion erhielt zwölf Tony Awards. Damit begann eine produktive Zusammenarbeit von Sondheim und Prince, die bis Anfang der 1980er Jahre anhielt und Stücke wie "Follies", "A Little Night Music" (von Prince auch verfilmt mit Elizabeth Taylor in der Hauptrolle) und "Sweeney Todd" hervorbrachte.

Zusätzlich zur Arbeit mit Sondheim inszenierte und produzierte Prince die Broadway-Megaerfolge "Evita" und "Phantom der Oper" des englischen Komponisten Andrew Lloyd Webber.

Ein anderes Erfolgsstück, das Prince produzierte, ist "Fiddler on the Roof" ("Anatevka").

"Turandot" an der Wiener Staatsoper

Der damalige Staatsopern-Direktor Lorin Maazel holte Prince 1983 für die Inszenierung von Giacomo Puccinis "Turandot" mit Eva Marton in der Titelrolle und Jose Carreras als Calaf nach Wien. Prince überraschte, indem er das Werk als glamouröses Spektakel samt Show-Treppe für den Auftritt der chinesischen Prinzessin inszenierte. Die Reaktionen des Publikums waren geteilt. Allerdings war es Prince gelungen, indem er das Stück gleichsam unter Anführungszeichen setzte, die Brüche in der Logik des Librettos auszugleichen: "Alles nur Show", schien Princes Inszenierung zu sagen.

Prince war verheiratet mit Judy Chaplin, der Tochter des Broadwayregisseurs Saul Chaplin. Ihre Tochter Daisy ist Regisseurin, ihr Sohn Charles ist Dirigent.

"Prinz der Musicals"

Große Trauer über den Tod von Prince herrscht bei allen, die mit ihm zusammengearbeitet und ihm einen Teil ihrer Karriere zu verdanken oder ihn auch nur privat gekannt haben. "Dieser wunderbare Mann hat mir so viel beigebracht", würdigte der Andrew Lloyd Webber den Regisseur seiner Hit-Musicals "Evita" und "Phantom der Oper". Prince sei nicht nur der "Prinz der Musicals", sondern auch das "gekrönte Oberhaupt", das zwei der besten Werke seiner Laufbahn inszeniert habe, schrieb Webber auf Twitter.

"Ich verdanke ihm so viel", schrieb US-Schauspielerin Chita Rivera, die als Anita in der Uraufführung des Musicals "West Side Story" am Broadway 1957 berühmt wurde. Der Tod von Prince mache sie sehr traurig, teilte Rivera in einem Tweet mit.

"So viel Energie, so viel Leidenschaft, total inspirierend", schrieb der britische Musiker Sting über den Verstorbenen. "Dieser Mann ist dafür verantwortlich, dass so viele von uns das Theater lieben und dafür leben", schrieb Sänger und Schauspieler Josh Groban auf Twitter.