Das Protokoll einer Amour fou: Petra Lang und Stephen Gould. - © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath
Das Protokoll einer Amour fou: Petra Lang und Stephen Gould. - © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

In Bayreuth sind jetzt auch alle Wiederaufnahmen durch. Katharina Wagners "Tristan und Isolde" war die letzte. Wie der "Parsifal" von Uwe Eric Laufenberg (mit Andreas Schager als Power-Parsifal) dreht sie in diesem Jahr ihre Abschlussrunde auf dem Grünen Hügel. Wenn im kommenden Jahr der junge Österreicher Valentin Schwarz die Chance seines Lebens bekommt und den "Ring" neu inszeniert, dann bleibt nur Platz für die Wiederaufnahmen des neuen "Tannhäuser", "Lohengrin" und die "Meistersinger".

Der "Tristan" war auch im verdeckten Graben wieder Chefsache: Katharina Wagners Musikdirektor Christian Thielemann demonstriert der Gemeinde auch bei Wagners musikalischem Rauschgift ziemlich nahe kommenden Ausnahmewerk, was man aus dem wunderbaren Orchester und der Akustik des Festspielhauses umgeht. Er vermag es wie derzeit kein anderer, die Feinheiten und das innere Leuchten der Musik zu zelebrieren, dabei Spannung zu erzeugen und gleichsam szenisch zu musizieren. Etwa, wenn er bei der ersten Begegnung von Tristan und Isolde plastisch hörbar macht, dass hier Anziehungskräfte wirken, die gar keiner Wunderdroge bedürfen.

Treppen und Scheinwerfer

In dem Stiegen- und Hebebühnen-Labyrinth, mit dem Frank Philipp Schlößmann und Matthias Lippert die Bühne im ersten Aufzug zugebaut haben, müssen sich Kurwenal und Brangäne mit allen Kräften den offenkundig wirkenden Anziehungskräften, die zwischen Tristan und Isolde wirken, entgegenzustemmen. Und auf den Wegen, die aufeinander zu führen, die Treppen wegkippen lassen. Die Schrecksekunde für die beiden am Ende des ersten Aktes überträgt sich förmlich in den Saal, der zögert kurz, aber vernehmbar mit dem Beifall.

Der zweite Aufzug führt in die beklemmende Enge der mit Suchscheinwerfern und Wachen bestückten Gefängnismauern. Wie hier etwa die Bläser die ins Weite davoneilende Jagd imaginieren, ist grandios. Ebenso der Entrückung der Liebenden, für die die Beobachter nicht zu existieren scheinen.

Strahlender Tristan

Diese herniedersinkende Nacht der Liebe entfaltet natürlich auch deshalb ihre Wirkung, weil Stephen Gould und Petra Lang in atemberaubender Hochform sind. Strahlend und beispielhaft deutlich. Vor allem Gould beweist an diesem Abend seine Weltklasse. Einen Eröffnungs-Tannhäuser von Format als Einstimmung für einen exquisiten Tristan - das können nicht viele! Zudem hat er auch für die Fieberfantasien im dritten Aufzug, bei dem ihm Isolde über ein dutzend Mal als Gestalt vor einem leuchtenden Dreieck (oder Segel?) in der Dunkelheit erscheint, keinerlei Konditionsprobleme, wirkt frisch und völlig sicher strahlend.

Aber auch Petra Lang hat schnell zu sich gefunden, kann ihre Stimme bald auch in der Höhe wunderbar fließen lassen. Bis hin zum Liebestod.

Mit müheloser Kraft und ihrem warmen Timbre ist Christa Meyer wieder die erstklassige Brangäne an der Seite von Isolde. Greer Grimley überzeugt als betont viriler Kurwenal.

Georg Zeppenfeld ist eh ein Sänger von bewährt hohem Niveau. Diesmal wirkt sein Marke extrem ausgeruht und frisch! Ein Genuss, auch wenn er als Figur in Katharinas Deutung nicht die besten Karten hat, sondern ziemlich rabiat agiert und seinen angeblichen Verzicht, nach Tristans Tod selbst konterkariert. Er zerrt Isolde vom Leichnam des Geliebten weg, und Brangäne bleibt allein zurück. Alles in allem: ein beeindruckendes Adieu für diese Produktion!