Einmal ein "verfluchter Kerl" sein und in der Residenzstadt "fidele Abenteuer" erleben - das ist der "Jux", den sich Weinberl, angehender Kompagnon des "vermischten Warenhändlers" Zangler, machen will. Die damit verbundenen Turbulenzen und genialer Wortwitz machen den Reiz einer der besten Possen Johann Nestroys aus, die heuer in der Regie des neuen Intendanten Christian Spatzek - der auch solide die Rolle des Weinberl spielt - auf dem Programm der Festspiele Stockerau steht.

Die Premiere begann als kleines Wagnis bei einsetzendem Regen (unter jedem Zuschauerplatz lag vorsorglich ein Regenschutz), ging aber letztlich weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinn baden. Nach wenigen Minuten war der letzte Tropfen gefallen, und das Ensemble - mit etlichen bekannten Gesichtern aus TV-Kultserien ("Ein echter Wiener geht nicht unter", "Kaisermühlen-Blues") - konnte seine Schäfchen, nämlich reichlichen Applaus, ins Trockene bringen.

In größeren Rollen bewähren sich Gerhard Ernst als polternder Zangler, Barbara Kaudelka als kecker Lehrbub Christopherl, Franz Suhrada als sich "klassisch" in Szene setzender Hausknecht Melchior und die Damen Erika Deutinger (Frau Gertrud), Dorothea Parton (Madame Knorr), Irene Budischowsky (Frau von Fischer) und Linde Prelog (Fräulein Blumenblatt). Es wird viel gesungen (Musik: Peter Uwira), leider zu wenige kritisch-mutige Zusatzstrophen zu den Couplets.

Jeder hat wohl schon bessere oder zumindest gleich gute Inszenierungen des "Jux" erlebt, diese besticht vor allem auch optisch. Das wunderbare Bühnenbild von Manfred Waba auf dem malerischen Platz vor dem höchsten Kirchturm Niederösterreichs, die Kostüme von Barbara Langbein und wahre Kunstwerke von Frisuren machen die Aufführung zumindest zu einem Augenschmaus.