Wenig Zusammenarbeit in Österreich

Die Szene stehe zudem häufig unter Produktionszwang, was sich auf die Qualität der Arbeiten auswirken könne. "Wir wollen nicht, dass zweimal im Jahr produziert wird, sondern dass Sachen auch öfter gezeigt werden, dass man nicht in diesem ständigen Schaffensrad steckt", meint Vadori. Es werde nicht als wichtig erachtet, eine gute Arbeit lange zu zeigen, sondern man fühle sich verpflichtet, ständig neue Aufführungen im Angebot zu haben.

Auch im europäischen Vergleich orten die "Groundworkers" zu wenig Zusammenarbeit. "Man kann der österreichischen Tanzszene nicht erst seit gestern den Vorwurf machen, dass sie sich hermetisch abgeschlossen anfühlt", so Koplin: "Schaut man zum Beispiel in die Schweiz oder nach Deutschland, sieht man, dass dort schon länger erkannt wurde, wie wichtig die internationale Vernetzung ist." Eines der Vorbilder seien die Berliner Kollegen von "Ehrliche Arbeit", die seit 2006 umfassende Konzepte mit Künstlerinnen und Künstlern realisierten. Und mit Blick in die Schweiz werde deutlich, wie ein zukunftstaugliches Fördermodell aussehen könne: Die Stiftung "Pro Helvetia" unterstütze auch Produktionsbüros mit Zuschüssen.

Zwar gebe es hierzulande Fördertöpfe wie diejenigen des Kulturministeriums ("Dance On Tour") oder der Kulturabteilung der Stadt Wien, diese konzentrierten sich aber vor allem auf Reisekostenzuschüsse oder inländische Gastspiele. Was fehle, sei ein umfassendes Konzept, um die Nachhaltigkeit von Produktionen zu gewährleisten.

Ausbau der Reichweite

Und wie stellt man sich die Finanzierung der Arbeit der Produktionsbüros vor? "Es wird niemandem das Geld aus der Tasche gezogen", versichert Koplin. Durch die "Groundworkers" entstünden neue Projekte und Finanzierungsoptionen, die es sonst mangels Vernetzung und Sichtbarkeit nicht gegeben hätte. "Die Kosten sind auf langfristige Sicht nicht hoch. Es lohnt sich für die Künstler, wenn man professionell arbeitet", ergänzt Vadori.

Damit sich Österreich stärker vernetzt, arbeiten die "Groundworkers" weiter daran, ihre Reichweite auszubauen. Mit "We Bodies" gibt es zusammen mit Teresa Vittucci, Michael Turinsky und Claire Vivianne Sobottke die erste internationale Produktion. Diese wurde bereits in Zürich und Basel aufgeführt, im Oktober findet im WUK die Österreichpremiere statt. (apa)

http://groundworkers.at/