Moskau. Neuer Lichtblick für den von der russischen Justiz unter Anklage gestellten Moskauer Starregisseur Kirill Serebrennikow: Eine vom Gericht in Auftrag gegebene zweite Expertise entlastet den Künstler und sein Team vom Vorwurf, staatliche Zuschüsse in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Das sagte Serebrennikows Anwalt Dmitri Charitonow der Agentur Interfax zufolge am Freitag.

Das neue Sachverständigen-Gutachten soll auch ergeben haben, dass Serebrennikows Theaterprojekt deutlich mehr gekostet habe als die bereitgestellten Fördergelder. Die Richterin stellte zudem fest, dass die Umsetzung des Projekts ein bedeutendes kulturelles Ereignis gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage noch behauptet, die Theatermacher hätten das Geld eingestrichen, ohne dafür Aufführungen anzubieten.

Serebrennikows Team hatte diese Anschuldigungen immer wieder als absurd bezeichnet und auf viele ausverkaufte Vorstellungen verwiesen. Die Richterin hatte das zweite Gutachten angefordert und Serebrennikow am 8. April nach etwa anderthalbjährigem Hausarrest gegen Auflagen überraschend auf freien Fuß gesetzt.

Die Verteidigung fordert, das aus ihrer Sicht konstruierte Strafverfahren gegen Serebrennikow und seine Mitarbeiter einzustellen. Der Prozess geht aber weiter. Serebrennikow hat sich mit seinen gesellschaftskritischen Arbeiten immer wieder Gegner zum Beispiel in der einflussreichen russisch-orthodoxen Kirche gemacht. Von der Anklage gab es zunächst keine Reaktion auf das Gutachten. (apa)