"Mockumentary" nennt der Angelsachse das, was Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel alias maschek  seit nunmehr 20 Jahren tun und zu einem eigenen Satirefach weiterentwickelt haben: nämlich Videos mit neuen gesprochenen Texten überlagern. Und weil man Jubiläen feiern soll, wie sie fallen und das Trio es sich sowieso verdient hat, werden maschek nun beim 20. Österreichischen Kabarettpreis (ein doppeltes Jubiläum also) mit dem Sonderpreis für besondere Leistungen um die Satire in Österreich ausgezeichnet.

Die drei "bedienen sich seit nun genau 20 Jahren aus dem reichen Nachrichten- und Social-Media-Fundus der Selbstdarstellung von Politikern und Prominenten, synchronisieren ihre Fundstücke live mit ihren Stimmen und Texten neu, wodurch sich nicht nur absurde, herrlich komische neue Geschichten ergeben, sondern die Erwählten auch meist zur Kenntlichkeit entstellt werden", schreibt die Jury in ihrer Begründung. Bekannt geworden sind maschek bereits durch ihre Kurzauftritte in Alfred Dorfers "Donnerstalk" und in "Willkommen Österreich" von Christoph Grissemann und Dirk Stermann. Inzwischen haben sie aber längst ihre eigenen Live-Shows (aktuell "20 Jahre Drüberreden" und demnächst "MASCHEK MACHT MERKEL"), vorzugsweise im Wiener Rabenhof. Für die Jury ist "dieses Treiben längst Kult, doch gerade jetzt, in Zeiten der 'Fake News', wirkt ihr Spiel mit den Realitätsebenen und dem Wahrheitsgehalt von Nachrichten, das Ehernes korrodieren lässt und auch die Umdeutung von Begriffen enttarnt, so aktuell und notwendig wie nie".

Klaus Eckel, die Pointenmaschine

Der Hauptpreis geht an einen Künstler, der auf der Bühne alleine mindestens genauso viel redet wie maschek zusammen: Klaus Eckel, dem die Jury - nicht nur bei seinem aktuellen Programm "Ich werde das Gefühl nicht los" - eine "hochfrequente und zielgenaue Erzeugung von Pointen" attestiert. Vor allem, weil Klaus Eckel gern nachfragt, zum Beispiel: "Wenn sie zwei Freunde zur Auswahl hätten, wen würden sie nehmen: Pippi Langstrumpf oder Mister Spock?" Und sein ausgezeichnetes Solo ist "dem originell geschliffenen Kabarettisten zu einer themenvielfältigen und facettenreichen Gedankenreise in eine Welt der gefühlten Wahrheiten und der emotionalen Komfortzonen geraten", mit dem er "hinsichtlich inhaltlicher Dichte, intelligentem Witz und temporeicher Treffsicherheit aber tatsächlich neue Maßstäbe" setzt. Denn: "Jede Pointe transportiert auch eine Botschaft." Seinen Hang zur Selbstironie zeigt übrigens Eckel selbst auf seiner Website: "Dass mich dieser Zuspruch zunehmend sprachlos macht", heißt es da, "ist bei meiner Goschen gar nicht so einfach . . ."

RaDeschnig, die präzisen Zwillinge

Den Programmpreis bekommen heuer Österreichs mutmaßlich einzige Kabarett-Zwillinge, Birgit & Nicole Radeschnig. Die Jury sieht in ihrem aktuellen Programm "Doppelklick" (schon der Titel ist doppelbödig) des Kärnter Duos RaDeschnig eine "ungebremste Spielfreude", mit der sie "das ganze Irrenhaus des Internets auf die Bühne bringen". Angelegt ist der Abend im dramaturgischen Rahmen als "von übergriffigen Untergriffen geprägtes schwesterliches Beziehungsdrama", in dem sie "mit präziser Rasanz, irrwitziger szenischer Fantasie, schonungsloser Selbstironie sowie darstellerischer und musikalischer Virtuosität durch Chaträume, Echokammern, YouTube-Kanäle und Fotoshops surfen". Das Ganze "hintergründig und hochkomisch, mit Scharfsinn und schwarzem Humor".

Sonja Pikart, die vielversprechende Newcomerin

Der Förderpreis wird - wie der Name schon sagt - an Künstler verliehen, die eine große Karriere noch vor sich haben. Oder zumindest erst wenige Schritte gemacht haben. Das gilt für die heurige Preisträgerin Sonja Pikart, der mit ihrem zweiten Solo "Metamorphose" laut Jury "inhaltlich und darstellerisch ein beeindruckender und vielversprechender Sprung gelungen ist". Auf der Suche nach ihrer eigenen Identität "stellt sie den Begriff an und für sich in Frage und verhandelt damit große gesellschaftliche Anliegen auf pointierte und kluge Weise". Dabei beweist die gebürtige Aachenerin, die in Wien ihre Wahlheimat gefunden hat, nicht nur großen Mut zur Selbstironie, sondern auch große schauspielerische Fähigkeiten und viel Gefühl für tragikomische Nuancen. Oder um es mit der Jury zu formulieren: "Noch niemand gelangte so poetisch und schlüssig von einem Wasserkocher mit Siedepunktverlängerung zu substantiellen Konflikten der Menschheit."

Jetzt ist das Publikum am Wort

Wie jedes Jahr gibt es auch diesmal zusätzlich zu den Jury-Entscheidungen auch noch ein Voting durch das Publikum: Auf www.kabarettpreis.at kann ab sofort bis 28. Oktober das beliebteste TV-Satireformat gewählt werden. Alle Gewinner erhalten ihre Trophäen bei einer großen Gala am 4. November im Globe Wien, die von Verena Scheitz moderiert wird. Als Laudatoren haben sich Gerhard Haderer, Gerold Rudle, Thomas Mraz und BlöZinger angesagt. Am 13. Dezember wird der Österreichische Kabarettpreis dann auch auf ORF1 zu sehen zu sein, erstmals auch für gehörlose Menschen in Gebärdensprache übersetzt. Zu verdanken ist dies, neben den Partnern ORF und HDI Versicherung, die heuer ihren Sponsorenbeitrag erneut erhöht hat, dem Österreichischen Gehörlosenbund.