"Wiener Zeitung": Herr Eckel, Sie sind per Eigendefinition "ein Komiker im zweiten Bildungsweg". Wo hätte denn Ihr erster Bildungsweg hingeführt?

Klaus Eckel: In die Speditionsbranche. Aber das war irgendwie nicht erfüllend. Ich habe es nur wegen meiner Eltern gemacht, weil die gesagt haben, das ist was Sicheres, da kannst du in Pension gehen. Aber ich habe irgendwann gemerkt, das sind nicht meine Motivationen, um einen Beruf zu ergreifen. 

Was sagen Ihre Eltern heute?

Die waren sehr bald stolz. Wirklich. Obwohl sie aus einer ganz anderen Denke kommen.

Apropos Stolz: Auf Facebook haben Sie Ihre ganzen Kabarettpreise aufgelistet. Sind Sie ein Trophäenjäger?

Ich weiß nicht. Ich stelle sie ja nirgends auf. Ich muss zu meiner Schande sagen, dass sie irgendwo in einer Schachtel verstauben. Es hat für mich so etwas Eitles, wie die Hirschgeweihe in einer Jagdhütte, wo ich auch immer ganz skeptisch bin, wenn man die Vergangenheit bewundert, was man alles geschossen hat. Ich finde ja, Kabarett gewinnst du auf der Langstrecke. Du musst die Leute für dich gewinnen. Heute Abend habe ich noch einen Auftritt in Linz - und denen dort ist es vollkommen egal, ob ich am Vormittag einen Kabarettpreis gewonnen habe oder nicht. Entweder ist es unterhaltsam oder nicht. Der Kabarettpreis ist natürlich schon ein Meilenstein, wo Leute, die sich ein bisschen auskennen, sagen: Das ist nicht ganz schlecht, was er macht, das ist schon gut, der befindet sich auf dem richtigen Weg. Das freut mich schon. Aber gewinnen musst du die Reise auf Tournee.

Aber im Internet zeigen Sie Ihre Preise schon alle her.

Na klar, muss man. Ich bin ein Mann, und wenn ich einen Preis gewinne, dann muss ich ihn auflisten, das gebe ich offen zu. Ich habe viele Jahre nichts gewonnen in meinem Leben, da freust du dich dann über jeden Preis.

Ansonsten sind Sie als Künstler in den Sozialen Medien sehr wenig bis gar nicht präsent. Fehlt da nicht ein PR-Instrument?

Ich hab mich total entzogen. Ich habe Twitter eine Woche lang probiert und die Stimmung dort ganz schrecklich empfunden. Es ist unglaublich moralisierend, es ist so eine Empörungskultur. Und irgendwelche Leute kritisieren irgendwelche anderen Leute für irgendetwas. Das ist so eine billige Haltung, mich zieht das nicht an. Ich will das gar nicht verurteilen, aber für mich persönlich ist das zeitraubend. Da geh ich lieber Rad fahren oder spiele mit meinen Kindern oder zähle die Wolken am Himmel. Aber die jetzige Generation von Künstlern muss dabei sein. Ich gehöre zur letzten Generation, die es noch ohne Social Media mit Mundpropaganda geschafft hat. Mein Publikum ist im Schnitt zwischen 30 und 60, da nehme ich viele mit denen die Sozialen Medien völlig am Hintern vorbeigehen. Aber ich glaube, wenn du die Jungen kriegen willst, führt kein Weg daran vorbei. Ich bin froh, dass ich nicht jede Woche auf Facebook ein lustiges Video posten muss, um Zuschauer zu generieren. Das wäre mir zu viel Stress.