Wien. Der Schauspieler Bruno Thost ist in der Nacht auf Mittwoch im 84. Lebensjahr in Wien gestorben. Thost war lange Jahre Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters und an diesem Haus in den Jahren 1970 bis 2001 mehr als 70 Rollen gespielt. Auch an anderen Häusern und Freiluftbühnen war der Schauspieler mit der markanten Stimme tätig.

Thost wurde am 23. April 1936 in Erfurt (Deutschland) geboren. Nach dem Abitur studierte er einige Semester Maschinenbau, wechselte aber in Erkenntnis seiner eigentlichen Berufung an die Staatliche Hochschule für Musik Stuttgart, schloss dort ein Schauspielstudium ab und debütierte 1963 am Staatstheater Stuttgart. Am Stuttgarter Theater der Altstadt trat er wenig später erstmals mit Nestroys "Frühere Verhältnisse" als Regisseur hervor und trat in Musical-Aufführungen auf.

Nach Stationen in Hamburg und Düsseldorf kam Thost nach Wien, wo er ans Burgtheater engagiert wurde. Ab der 1970/71 trat er in zahlreichen Nebenrollen auf, denen er durch seine markante Stimme und seine Bühnenpräsenz außergewöhnlich scharfes Profil verlieh.

Musical, Film, Sommertheater

Jenseits seines Stammhauses trat er am Theater der Jugend auf, am Raimundtheater, an der Wiener Volksoper und am Theater in der Josefstadt. Daneben engagierte ihn die Wiener Kammeroper und das Theater an der Wien für Operetten- und Musical-Rollen. Ebenso war Thost für die Wiener Kellertheaterszene ein wesentlicher Impulsgeber und Akteur. Auch die diversen Sommertheater engagierten ihn, ob es nun die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg waren oder die Salzburger Festspiele oder manch ein Freilufttheater in Wien und Umgebung.

Neben seiner Theaterkarriere war Thost wiederholt in Kino- und Fernsehfilmen zu sehen: In den 1970er-Jahren drehte er mit Hans-Jürgen Syberberg ("Karl May"), mit Hans W. Geißendörfer ("Die Wildente") und mit  Volker Schlöndorff ("Der Fangschuß", "Die Blechtrommel). Mit Marvin J. Chomskys "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiß" und Stephen Hereks "Die drei Musketiere" war Thost auch in US-Produktionen vertreten. Im Fernsehen sah man ihn in zahlreichen Serien, etwa im "Kaisermühlen Blues" oder "Kommissar Rex".

Meister der Personencharakteristik

2001 wurde Thost mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet, 2013 wurde er zum Professor ernannt. Medial präsent war Thost auch immer wieder durch sein soziales Engagement, das speziell Kindern mit Behinderung und Flüchtlingen zugute kam.

Bruno Thost galt vielfach als begnadeter Nebenrollen-Schauspieler. Tatsächlich verfügte er über die besondere Begabung, Figuren mit einem besonderen Tonfall oder einer speziellen Gestik dermaßen präzise zu charakterisieren, dass er auch mit kurzen Auftritten die Aufmerksamkeit des Publikums fesselte und nachhaltig im Gedächtnis blieb. Er war ein Vollblut-Schauspieler, für den es nicht wichtig war, ob er in unterhaltsamen Spektakeln oder hochliterarischen Werken mitwirkte: Für Thost zählte einzig und allein, in eine Figur hineinzuschlüpfen und sie als Menschen mit einem speziellen Charakter und typischen Eigenarten darzustellen.