Wann er die Koffer packt, gilt es noch zu klären. Gewiss ist aber: Alexander Pereira, 71-jähriger Kulturmanager aus Österreich, wird noch einmal neu beginnen. Im Juni hatte ihm der Aufsichtsrat der Mailänder Scala eine zweite Amtszeit verweigert: Der Opernchef mit den exzellenten Sponsor-Kontakten erhielt lediglich eine Vertragsverlängerung um ein Jahr bis 2021; dann soll Dominique Meyer, Chef der Wiener Staatsoper, langfristig das Ruder übernehmen. Womit sich Pereira danach beschäftigt? Das ist seit Mittwoch bekannt: Er wechselt an die Oper von Florenz, Sangeshaus und Zentrum des Festivals Maggio Musicale Fiorentino.

Glücklich ist der Wiener über seine Abwahl in Mailand freilich nicht: "Ich hatte gehofft, meine Karriere an der Scala zu beenden", sagt er im Interview mit der Zeitung "Corriere della Sera". Pereira, so wurde gemutmaßt, hätte ein Sponsoring-Projekt mit Saudi-Arabien nicht hinreichend abgesprochen und sich so um die Sympathien im Aufsichtsrat gebracht. Er selbst beantwortet die Frage anders: Im Gremium "saß ein Mitglied, das mich seit dem ersten Tag meines Mandats bekämpft hat".

Für die Zukunft habe er drei Angebote erhalten, "alle für einen Zeitraum von fünf Jahren. Jenes aus Florenz war für mich besonders interessant. Florenz hat ein Theater mit großer Tradition. Chor und Orchester sind 20 Jahre lang von Zubin Mehta und seinen Nachfolgern gut gepflegt worden." Auch die Tatsache, dass seine Schwester in der Stadt lebe, habe ihn motiviert. "Zudem gibt es ein Festival internationalen Ruhms."

Als Scala-Intendant zieht er eine positive Bilanz. In den Jahren ab 2014 "ist die Scala ein zuverlässiges Theater geworden", die Zusammenarbeit mit dem berüchtigt protestfreudigem Personal laufe bestens. Und: "Musikdirektor Riccardo Chailly ist einer der wichtigsten Dirigenten der Welt." Wann er nach Florenz wechselt? Pereira wird jedenfalls der Scala-Saisoneröffnung am 7. Dezember mit Anna Netrebko beiwohnen. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass er bis zum Ende seines Mandats bleibe. In Florenz dürfte schon bald Handlungsbedarf bestehen: Der derzeitig Intendant könnte das Haus noch im Herbst verlassen.