Linz. Jetzt ist schon wieder was passiert. Für eine Instagram Story war die 19-jährige Schülerin @sefdisefda gerade noch damit beschäftigt, von @luca.ned.lucas zu schwärmen (der aber mit @notyourjuliett zusammen ist), als im nächsten Bild die Farben verschwimmen und Photoshop ein weißes Loch in die Aufnahme reißt. Schon vor Tagen erging es @amirmstahl ähnlich: Endlich Arbeit gefunden als Verkäufer in einem Kleidungsgeschäft, verzweifelt der 21-jährige Afghane am oberösterreichischen Idiom eines Kunden und beendet seine Insta Story mit einem Foto vom weißen Loch. Seither ist er verschwunden. Das Profil von @linzliebe suggeriert, dass solche "Portale" mittlerweile sogar schon in Wien gesichtet wurden.

Seit 26. August und noch bis zum 6. September läuft die Alternate Reality Soap "Stahlstadt.online". Das Theaterprojekt lässt sich online über Instagram und Youtube verfolgen, am 5. und 6. September kommt es im Rahmen des Ars Electronica Festivals in der PostCity Linz zu einem offline Showdown.

Krimi-Plot auf Instagram

Egal ob digital oder analog, Hauptsache: Interaktion. Die "Theatervorgänge" schreiben sich über die sozialen Medien in die Realität der Instagram Abonnenten ein. Auf die Kommentare, fertig, los! Solch Niederschwelligkeit ermöglicht das Erleben von Theater ohne Ticket-Kauf, Stillsitzen oder Lektüreschlüssel. Auch das Schauspielhaus Wien versuchte sich in der Spielzeit 2017/18 mit der "Seestadt-Saga" am Format einer Social-Media-Serie.

Für "Stahlstadt.online" haben die Expertin für Community Building Clara Gallistl und der auf immersives Theater und Urban Gaming spezialisierte Regisseur Philipp Ehmann mit einer Gruppe von 25 Jugendlichen, mehrheitlich mit eigener Fluchterfahrung, zusammen gearbeitet. Die Story des Vorhabens wurde in monatlichen Workshops gemeinsam erarbeitet. Außerdem beteiligt sind zwei professionelle Akteure.

Vor dem Verschwinden von Amir und Sefda, also vor Beginn des eigentlichen Krimi-Plots, waren Alba, Aimée-Valerie, Matti und Alex (die gemeinsam @linzliebe betreuen) hauptsächlich mit Konzertmitschnitten und Momentaufnahmen beschäftigt. Liebe und Eifersucht kommen auch nicht zu kurz. Es finden sich aber auch Videos, die sich mit den Themen Wohnungssuche und Spracherwerb oder der Frage, wie und wo junge Leute in Oberösterreich sich freiwillig engagieren können, auseinandersetzen. Aimée-Valerie gibt Tipps für den Umgang mit Angst und Alex unterstützt Amir bei der Suche nach Arbeit.

Das Theaterprojekt "Stahlstadt.online" hat insofern vor allem eine praktische Stoßrichtung: Junge Geflüchtete sollen mit Informationen versorgt werden, die für ein selbständiges Leben in Oberösterreich notwendig sind. Auf der Internetbühne verschwimmen nicht nur "real" und "fiktional" oder "Agierende" und "Publikum", sondern auch "Unterhaltung" und "Informationsweitergabe". Publikumssegmenten, die sich im klassischen Theater nicht repräsentiert fühlen, soll ein Zugang ermöglicht werden. Sich wiederzufinden in den Geschichten die Theaterkunst über das Leben erzählt, ist ein wichtiger Schritt gegen die Isolation und für die Teilhabe an Gesellschaft und Kultur.

Die Figur Sefda wohnt ohne Familie in einer WG, teilt @luca.ned.lucas in seinem Aufruf nach ihr zu suchen dem Instagram Publikum mit. Er macht sich Sorgen. Wohin sind Amir und Sefda verschwunden? Auflösung bringt das offline Event in der PostCity.