Radioaktivität hört, sieht und riecht man nicht. Doch wenn man ihr ausgesetzt ist, wird ihre Wirkung spürbar. Ähnlich unspektakulär, aber mit gewissem Nachdruck schleicht sich das Drei-Personen-Stück "The Children" in die Köpfe der Besucher im Vienna’s English Theatre ein. Es geht um einen durch ein Erdbeben und einen Tsunami ausgelösten Reaktorunfall und die Verantwortung der älteren Generation für die jüngere. Nancy Kirkwood, die als eine der besten Dramatikerin in England gilt, hat dabei die Katastrophe von Fukushima vor Augen.

Die Inszenierung von Adrienne Ferguson wirkt wie ein sehr langer Anlauf zu einem sehr kurzen Sprung. Es gibt viel Konversation, doch die Aktion auf der Bühne hält sich in Grenzen: Nasenbluten, Strahlungsmessung mit dem Geigerzähler, das Herunterreißen einer Perücke, ein nostalgischer Tanz zu "Daddy Cool" und einige Yogaübungen. Die Einheit von Ort und Zeit verdichtet das Stück, die Handlung hat aber noch einen Nebenstrang - die privaten Beziehungen der Hauptpersonen, die vor Jahrzehnten gemeinsam als Nuklearingenieure tätig waren.

Selbstbewusst, aber insgeheim sehr verletzlich, stellt Amanda Osborne die überraschende Besucherin Rose dar, die Unruhe bringt. Als spitzzüngige Hazel macht Anna Kirke kein Hehl aus ihrer Abneigung gegen die Rivalin. Mark Elstob komplettiert als zwischen den Frauen hin- und hergerissener Ehemann Robin das Beziehungsdrama, das die ernste Thematik etwas verdrängt. Reichlicher, nicht übermäßiger Premierenapplaus.