Was am Spielplan des Dschungels auf den ersten Blick auffällt: Hier wird Theater für wirklich jedes Alter gemacht - vom ersten Lebensjahr bis zum 100. - wobei der Schwerpunkt auf der Altersgruppe zwischen zehn und 20 Jahren liegt. Heuer feiert das im Museumsquartier beheimatete Theaterhaus für junges Publikum sein 15-Jahr-Jubiläum.

Die "Wiener Zeitung" sprach mit Intendantin Corinne Eckenstein über den Paradigmenwechsel im Kinder- und Jugendtheater.

"Wiener Zeitung":Sie waren von Beginn an beim Dschungel als Regisseurin tätig, seit 2016/17 sind Sie dessen künstlerische Leiterin. Was bedeutet Ihnen das Jubiläum?

Dschungel-Intendantin Corinne Eckenstein. - © Franzi Kreis
Dschungel-Intendantin Corinne Eckenstein. - © Franzi Kreis

Corinne Eckenstein:Es ist fantastisch! Dass es uns mitten in Wien gibt, ist wirklich eine Errungenschaft der freien Szene. Wir decken das gesamte szenische Spektrum ab - vom Sprechtheater über Performance bis zum Tanz, im internationalen Vergleich ist das ziemlich einzigartig. Unsere Arbeit wird daher auch zunehmend überregional wahrgenommen, wir sind Partner bei EU-Projekten.

Zu Ihren Kernanliegen gehören partizipative Projekte, bei denen das junge Publikum in Spiellabors mitmacht. Worin liegt der Mehrwert?

Mit Co-Kreation wurde dafür ein neuer Begriff etabliert. Dabei geht es nicht nur ums bloße Mitmachen, sondern darum, gemeinsam etwas zu erarbeiten. In den vergangenen Jahren hat sich der Diskurs im Kinder- und Jugendtheater grundlegend verändert.

Inwiefern?

Früher wurden im emanzipatorischen Theater Probleme aufgezeigt, heute geht es mehr um den Austausch zwischen den Generationen, um Kommunikation auf Augenhöhe. Wir stellen zwar immer noch Probleme auf der Bühne dar, aber liefern die Antworten nicht mit, sondern versuchen, gemeinsam Lösungsansätze zu formulieren. Wir behaupten nicht mehr, dass wir wissen, wie es geht.

Mit welchen Problemen kämpft der Dschungel?

Eigentlich läuft alles großartig und wir haben unsere Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft, aber es fehlt uns leider an Geld. Dass Künstler, die hier arbeiten, immer noch weniger verdienen als ihre Kollegen im Erwachsenentheater, ist nach 15 Jahren ein unhaltbarer Zustand. Es bräuchte zumindest eine Indexanpassung der Fördermittel.

Welche Probleme orten Sie bei Ihrer Zielgruppe?

Einerseits haben Kinder und Jugendliche wohl noch nie so viele Möglichkeit zur Entfaltung gehabt wie heute, zugleich ist aber der Leistungsdruck gestiegen, sie müssen im Schulsystem funktionieren. Vielfach fehlt jungen Leuten einfach die Zeit, um sich mit den 1000 Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die ihnen unsere Zeit bietet. Orte wie der Dschungel eröffnen dafür Freiräume.

Kindertheater boomt derzeit in Wien. Wie stehen Sie zur Konkurrenz aus Burg- und Volkstheater?

Ich bin erfreut über diesen Trend, der belegt, wie wichtig Theater für junges Publikum ist. Ich würde mir allerdings mehr Austausch zwischen den Häusern wünschen. Unser gemeinsames Ziel sollte sein: Theater für alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten zu machen. Im Dschungel haben wir mit sechs Euro immer noch die niedrigsten Eintrittspreise von allen. Dazu stehe ich auch. Kunst ist nicht elitär, sondern essenziell, eine Notwendigkeit. Wir erfüllen ja auch einen Bildungsauftrag.