"Wir haben uns die Situation zum Komplizen gemacht", sagt Kira Kirsch, die Leiterin des Brut am Donnerstag bei der Programmpräsentation der aktuellen Saison. Es ist dies nun die dritte Spielzeit, in der das Brut als "mobiles Kooperationshaus", also ohne fixe Spielstätte, funktioniert. "Es ist eine Zeit voller Überraschungen", so Kirsch weiter, "in der oft Unerwartetes eintrifft". In Anspielung auf die Aussage von Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder am Mittwoch: Er hatte am Rande einer Baustellenbegehung im Künstlerhaus angemerkt, dass das Wiener Koproduktionshaus nach der Renovierung wohl nicht mehr in sein Stammhaus zurückkehren würde.

Diese Aussage sei unwahr, meinte dann am Donnerstag der kaufmännische Geschäftsführer des Brut, Richard Schweitzer: "Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens." Schröder hätte natürlich gerne das gesamte Künstlerhaus zur Nutzung. Für das Brut gibt es noch einige Parameter, die es zu klären gilt: So seien die Konditionen zur Nutzung noch nicht ausdiskutiert worden und die Renovierungskosten des Theaters seien auf das Doppelte angewachsen. Man sei aber mit der Stadt Wien in gutem Kontakt, um Lösungen für die Finanzierung des Theaterraumes zu finden. Ziel sei es, wieder die Einrichtung zu bespielen.

Albertina modern statt Brut?

Wäre es nicht möglich, ins Künstlerhaus zurückzukehren, würde man sich "undercover" auf die Suche machen. "Diese Situation ist ermüdend", so Schweitzer. Geplant war ursprünglich eine Umbauphase von nur einer Saison. Das Künstlerhaus, das im Erdgeschoß nun mit "Albertina modern" ein neues Kunstmuseum beheimaten wird, soll laut Schröder nach einer Sanierung um 50 Millionen Euro - finanziert von der Haselsteiner Privatstiftung - am 12. März 2020 mit der Ausstellung "The Beginning" eröffnet werden. Der Museumsdirektor könne sich jedenfalls vorstellen, in den ehemaligen Theaterräumlichkeiten eine Dauerausstellung einzurichten.

Für das Team des Brut ist der Zeitpunkt des Rückzugs in seine Spielstätte noch nicht klar. Laut Kirsch sei aber das jetzige mobile Kooperationshaus genauso erfolgreich: In der vergangenen Saison konnte man rund 10.000 Besucher bei 149 Veranstaltungen verzeichnen. Darunter waren 19 Uraufführungen, insgesamt wurden 19 Orte in 10 Wiener Gemeindebezirken bespielt. Die Auslastung lag bei 90 Prozent.

Die aktuelle Saison wird "ambulant" sein: Am 5. und 6. Oktober ist die Open-Air-Performance "Diorama" der norwegischen Choreografin Ingri Fiksdal zu sehen. Vor der Kulisse der Seestadt Aspern entsteht bei freiem Eintritt "im Sonnenuntergang ein magisch-meditatives Landschaftsgemälde aus Körpern und Objekten". Ferner stehen "Oratorio Europa" des Kollektivs Freundliche Mitte, "Colonial Cocktail" der Regisseurin Stefanie Sourial oder rechtzeitig zu Halloween der "Hantologische Kongress" des Kollektivs irreality.tv am Programm.

Schweitzer richtete auch einen Appell bezüglich Valorisierung der Förderungen an die zuständigen Stellen: Seit 2012 seien die Subventionen nicht gestiegen. "Bleibt die Valorisierung aus, steuern wir in den inhaltlichen Kollaps."(vf)