Am Anfang zeigt das Bühnenbild, was es kann: In die enormen Dimensionen der Burgtheaterbühne wurde ein mehrstöckiges Appartement eingepasst - von der Mülltonne über das Ankleidezimmer bis zum Sitzsack hat sich Bühnenbildnerin Bettina Meyer stilsicher ausgetobt: Hier residieren wohlbestallte Intellektuelle, linke Eliten.

Die Dramatisierung von Sally Potters Spielfilm "The Party" (2017) beginnt am Burgtheater wie ein Tableau: Mit Blackouts und gezielter Lichtführung wird der Blick auf einzelne Räume innerhalb des gediegenen Wohnhauses gerichtet. Im Erdgeschoß lümmelt Hausherr Bill (Peter Simonischek) auf einem gelben Sitzsack, im oberen Stock verziert Gastgeberin Janet (Dörte Lyssewski in Hochform) eine Torte. Die Oppositionspolitikerin wurde nach langen Grabenkämpfen zur Gesundheitsministerin eines nicht näher erläuterten Schattenkabinetts ernannt.

Den Karriereschritt feiert Janet mit ihren engsten Freunden. Auf dem Fest folgt eine bizarre Enthüllung auf die nächste, bis schließlich nicht nur eine Terrassentür zu Bruch geht, sondern auch langjährige Ehen, Freundschaften und politische Überzeugungen in Scherben liegen.

Unter Zynikern

Die britische Filmemacherin Sally Potter fabrizierte aus diesen hypernervösen Begegnungen eine ausschließlich in Schwarzweiß gedrehte Komödie, bei der die intellektuelle Fassade der Figuren innerhalb von atemlosen 71 Minuten heruntergerissen wird. Der Film besticht durch scharfzüngige Dialoge und erstklassige Besetzung (Bruno Ganz, Kristin Scott Thomas!). Auch am Burgtheater spielt sich das siebenköpfige Ensemble in der Regie von Anne Lenk um Kopf und Kragen: Dörte Lyssewski entfaltet ihr enormes Theatertemperament, um den freien Fall ihrer Figur glaubhaft darzustellen, Regina Fritsch glänzt als scharfzüngige Zynikerin, die Dialoge der beiden Freundinnen gehören zu den Höhepunkten der Aufführung. Markus Hering gibt den grandios verhuschten Lebenscoach und Peter Simonischek sitzt die meiste Zeit über stoisch an der Bühnenrampe, aber auch das muss man erst einmal können. Wie sehr Simonischeks Figur seiner Ehe überdrüssig ist, erkennt man vielmehr an gekonnt gesetzten Gesten.

Doch trotz all der Stadttheateranstrengung nimmt die Komödie nicht richtig Fahrt auf. Das mag an der Übersetzung liegen, die nicht so pointiert daherkommt wie das englische Original. Vor allem aber fehlt es dem Abend an Tempo und Rhythmus. Die Aufführung dauert 90 Minuten und ist damit nur um 20 Minuten länger als der Kinofilm. Eine möglicherweise alles entscheidende Differenz. Am Burgtheater wirkt manches etwas behäbig und zerdehnt. Eine Tragikomödie, bei der mehr die Tragik denn die Komik hervorkommt.