Wenn Hosea Ratschiller auf der Bühne steht, dann dauert es nicht lange, bis seine Samtstimme das Publikum ein wenig eingelullt hat - doch es wäre falsch, sich von ihm lediglich sanft berieseln zu lassen, denn im Kontrast zum Ton ist der Inhalt zum Teil beinhart. Seine Botschaften - ökonomische, politische und gesellschaftliche Kritik - sind nämlich bloß in weiche Seide verpackt; zum Lachen sind sie nicht wirklich.

Humorvoll ist es aber natürlich schon, wie er - ausgehend von seiner Rolle als Vater einer Tochter - das Familienleben als Ausgangspunkt für philosophische Betrachtungen nimmt. Dreh- und Angelpunkt ist die Fragestellung, wie man als cooler Papa dem Kind anschaffen kann: "Räum dein Zimmer auf!", wenn man doch selbst ein schlampiger Chaot ist, der am smarten WLAN-Staubsaugerroboter sympathisch findet, dass das Gerät nicht ordentlich saugt. Und so steht ein dickes, fettes Fragezeichen hinter dem elterlichen Befehl. Anitautoritäres Bobotum lässt grüßen. Und ehe man sich’s versieht, hat Ratschiller eine direkte ideologische Linie vom Essen mit Messer und Gabel zum Nationalsozialismus gezogen, wobei chinesische Stäbchen einer Art "kulinarischen Entnazifizierung" gleichkommen.

Das "bessere Brot"
mit der harten Kruste

Zuvor schildert Ratschiller, wie er ausnahmsweise den Gang zum "Bäcker mit dem besseren Brot" antritt, um ein solches zu erwerben, und macht daraus eine viertelstündige Liturgie - an deren Ende er sich wegen der harten Kruste mit dem Brotmesser schneidet. Das Leben hält also selbst dann, wenn man es gut führen will, herbe Niederlagen bereit. Doch Ratschiller erhebt es zur Meisterschaft, sie sich schönzureden, wie zum Beispiel elterliche Asexualität ("Pudern kann jedes Viech") oder sein Dasein als Außenseiter, das er als Kind bewusst gesucht hat, wie er behauptet. Und er gibt allem eine philosophische Note, selbst dem Grönlandhai, den er nach 400 Jahren Leben im Polarmeer sich selbst beweisen lässt, und zwar gegenüber sich selbst.

Es sind weite Brücken, die Ratschiller schlägt. Sein Können besteht dabei darin, dass sie nicht an den Haaren herbeigezogen wirken, auch wenn man manchmal ein wenig überrascht ist, wie er den einen oder anderen Themenwechsel jetzt wieder so flüssig hinbekommen hat.

Hosea Ratschiller:

Ein neuer Mensch

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