Mein Vater war Italiener, ich bin in einem Kärntner Dorf aufgewachsen. Ich habe mich von dieser bäuerlichen Umgebung immer ausgestoßen gefühlt, obwohl ich so gerne dazugehören wollte. Dieses Gefühl, ein Fremder unter Einheimischen zu sein, anders zu sein, hat mich lange nicht losgelassen. Seit ich darüber schreibe, seit ich aus diesem Gefühl ein konkretes politisches Engagement entwickle, empfinde ich Zugehörigkeit: zu allen, denen es ähnlich geht."

Diese Selbstbetrachtung verfasste Peter Turrini im Jahr 1977, in einer Notiz zu seinem Antiheimatstück "Sauschlachten". Und sie ist immer noch gültig. Auch wenn Turrini längst nicht mehr der angefeindete Gottseibeiuns des provinziellen Österreichs ist, vielmehr zu den meist gespielten heimischen Dramatikern zählt, setzt er sich unbeirrt mit sozialen und politischen Widersprüchen auseinander. Am 26. September feiert der Schriftsteller 75. Geburtstag.

Rund um dieses Jubiläum erschien nun erstmals, nach vielen Aufsatzsammlungen, Analysen und Interviewbänden, eine umfassende und fundiert recherchierte Biografie. Die Literaturwissenschafterin Christine Rigler hat die angenehm unaufgeregte Lebensdarstellung mit dem Titel "Diese Komödie ist eine Tragödie" verfasst. Rigler leitet die Kunst- und Kulturwissenschaften an der Donau-Universität in Krems und betreut ebendort im Archiv der Zeitgenossen auch den Vorlass von Turrini. Aus diesen, zum Teil erstmals zugänglichen, Quellen konnte die Autorin ausgiebig schöpfen, zudem führte sie zahlreiche Gespräche mit Turrini, sodass sie einem auf 240 Buchseiten Person und Werk wirklich nahebringt.

Peter Turrini ist seinerzeit angetreten, um gegen das - wie er es nannte - "erstarrte Theater" zu schreiben. Das ist ihm auch gleich mit seinem ersten Stück "Rozznjogd" (uraufgeführt 1971 am Wiener Volkstheater) vortrefflich gelungen: Es handelt von einem jungen Paar, das sich orgiastisch auf einer Müllhalde ineinander verkrallt - damals ein Theaterschocker. Schlagartig wurde der 27-Jährige bekannt und galt fortan als "enfant terrible".

In den 1970er und 1980er Jahren befand sich Turrini im Höhenflug. Mit den nächsten Stücken ("Der tollste Tag", "Die Wirtin") reihte sich der Autor erfolgreich in die Tradition des sozialkritischen Volksstücks von Raimund bis Horváth ein. Die boomende Theaterkarriere beendete er mit einem Federstrich und wandte sich dem Drehbuchschreiben zu. Mit der TV-Serie "Alpensaga", gesendet von 1976 bis 1980, gelang ihm der große Durchbruch, der ihn schließlich auch bei jedem "Kronen Zeitung"-Leser bekannt machte, weil die konservativen Kräfte des Landes gegen den jungen Künstler Sturm gelaufen sind.

Bürgerschreck

Eine neuerliche Volte schlug Turrini mit Claus Peymann. Den "Bürgerschreck" verband viel mit dem anfangs angefeindeten "Piefke". So kam es in den 1980er und 1990er Jahren auch zu einigen glanzvollen Uraufführungen im Burg- und Akademietheater ("Die Minderleister"). Seit Herbert Föttingers Intendanz am Theater in der Josefstadt fand Turrini ebendort eine künstlerische Heimat.

Doch seine jüngsten Bühnenarbeiten brachten ihm zunehmend den Vorwurf des "wackeren Gesinnungskitsch" ein. Es scheint, als könne der Dramatiker, der einst an der Speerspitze der Erneuerung stand, mit den aktuellen Neuerungen des Theaters wenig anfangen. Diese etwas kritischere Positionen gegenüber Turrinis Spätwerk blendete Biografin Rigler weitgehend aus. Obwohl Turrini selbst dazu in einem Interview gelassen Stellung bezog: "Ich habe zu mir selbst und meiner ästhetischen Methode keine Alternative. Mein theatralischer Fieberkopf entzündet sich an Personen, an Geschichten. Aber ich weiß schon, dass ich aus der Sicht des Feuilletons derzeit nicht an der Spitze der Kolonne mitmarschiere. Aber dort ist ohnehin ein Gedränge, ein Gleichklang." Herzliche Gratulation zum 75er.