Von der Wahlberichterstattung direkt eintauchen in eine Pariser Mansarden-Wohnung am Weihnachtsabend. Der Besuch der Wiener Staatsoper am Sonntag war ein echtes Kontrastprogramm zum aktuellen Geschehen. Zum 438. Mal ging Giacomo Puccinis "La Bohème" in der zauberhaft pittoresken Inszenierung von Franco Zeffirelli über die Bühne. Qualität hat Bestand, schließlich kann man sich nicht sattsehen an der herrlichen Ausstattung mit ihren liebevollen, hübsch ausgeleuchteten Details. 

Auf hohem Niveau war erfreulicherweise auch die Besetzung. Aida Garifullina sang ihre erste Mimì im Haus am Ring: Die russische Sängerin füllte die Rolle der zierlichen Blumenstickerin zur Gänze aus, ließ ihren klaren Sopran in allen Lagen blühen und vermochte in der Sterbeszene mit metallenen Nuancen zu überraschen. Jinxu Xiahou als Rodolfo ist ihr ein guter Partner mit tragfähiger Stimme und kernigem Timbre; in Sachen Italianità gibt es Luft nach oben. Unübertroffen gestaltete Adrian Eröd den Maler Marcello. Überzeugend die Interaktion mit Bryony Dwyer, einer großartigen Musetta mit ausdrucksstarkem Gesang, neckischem Spiel und punktgenauem Gekicher. Jongmin Park und der kurzfristig eingesprungene Clemens Unterreiner komplettierten die Künstlerclique. Im Graben brachte das Orchester unter der kundigen Leitung von Louis Langrée alle Farben der famosen Partitur bravourös zum Ausdruck: ein beglückender Abend.