Im Mai 2000 wurde das Kosmos Theater in Wien-Neubau eröffnet. Der Gründung ging eine Hausbesetzung und ein zähes Ringen mit den Kulturverantwortlichen voran. Anfangs erhielt das Frauentheater unter Intendantin Barbara Klein viel Aufmerksamkeit, zuletzt kämpfte die Mittelbühne mit sinkenden Subventionen um den Erhalt des Theaters.

In der Saison 2018/19 übernahm Veronika Steinböck die künstlerische Leitung. Die "Wiener Zeitung" sprach mit der Intendantin über den Jubiläumsspielplan und die Zukunft des Frauentheaters.

"Wiener Zeitung":Ein Stück von einer Frau, über zwei Frauen, inszeniert von einer Frau: Entspricht die Eröffnungspremiere "Daumenregeln" von Iva Brdar in der Regie von Nina Kusturica dem prototypischen Kosmos-Stück?

Veronika Steinböck. - © apa
Veronika Steinböck. - © apa

Veronika Steinböck: Absolut. In der Jubiläumssaison werden Sie auf unserem Spielplan ausschließlich Autorinnen und Regisseurinnen finden. Ich will das keineswegs zum Dogma erheben, es hat sich ergeben und passt gut zum 20-Jahr-Jubiläum. Regisseurin Kusturica und ich haben lange nach einem passenden Stück gesucht und es schließlich in "Daumenregeln" gefunden. Das Stück, verfasst von einer Autorin aus Belgrad, wirft einen völlig anderen Blick auf Südosteuropa und Regisseurin Kusturica, die Wienerin ist in Mostar geboren, wird mit gängigen Balkanklischees aufräumen. Es ist gerade ein für Wien wichtiges Stück: Was wissen wir schon von unseren Nachbarländern?

Das Kosmos Theater feiert heuer 20-jähriges Jubiläum, Sie sind in der vorigen Spielzeit Gründungsintendantin Barbara Klein nachgefolgt. Wie stehen Sie zu Ihrem Vermächtnis?

Ich bin den Gründerinnen sehr dankbar. Wie visionär diese Frauen waren, sieht man auch anhand gegenwärtiger Diskussionen rund um Frauenquoten am Theater. Allein der Aufruf des Berliner Theatertreffens, dass künftig die Hälfte der ausgewählten Aufführungen von Frauen inszeniert sein müssen, sorgte für einen ziemlichen Aufruhr in der Branche, genauso wie Anna Bergmanns Ankündigung, am Staatstheater Karlsruhe ausschließlich mit Frauen arbeiten zu wollen. Die Themen, vor mehr als zwei Jahrzehnten von den Kosmos-Pionierinnen aufgestellt, sind nun im Stadt- und Staatstheater angekommen.