"Gleich beginnt der Theaterabend." Wenn Maximilian Brauer das zum dritten Mal binnen weniger Minuten sagt, weiß man: Der "verabredete Theaterabend", wie er ihn höhnisch nennt, hat längst begonnen oder wird nie beginnen. Man ahnt auch: Da kommt nix mehr Relevantes, hier findet die große Verweigerung statt. Eigentlich war zur Saisoneröffnung im Schauspielhaus ein Projekt von Vegard Vinge und Ida Müller geplant, die von Berlin aus Theaterbegriffe auf den Kopf stellen. Doch Vinge erkrankte, sein Stammschauspieler Maximilian Brauer übernahm. Der Abend "F for Factory" soll natürlich im Geiste Vinges stehen, möchte aber auch an den Pop-Art-Künstler Andy Warhol und sein berühmtes New Yorker Studio "The Factory" erinnern.

Alles ist so spontan, dass das Schauspielhaus nicht einmal eines seiner sonst hier recht substanzhaltigen Programmhefte für sinnvoll erachtete. Brauer beginnt im Foyer mit einer Art Slam-Poetry-Aktionismus unter Ausschluss von drei Vierteln des Publikums, die ihn schlicht nicht sehen.

Später im Saal kommandiert er ad hoc grell kostümierte Ensemblemitglieder und Live-Musiker herum, bestellt sich Pizzaboten und Rosenverkäufer auf die Bühne, holt Requisiten und verschüttet sie, schaltet manisch Lampen ein und aus und kommentiert das, während er rastlos den Raum durchmisst. Man fühlt sich, als würde man einen hyperaktiven Fünfjährigen babysitten: Einmal überrascht er einen, dann wiederum sagt er was Lustiges, tief drinnen will er dich aber ärgern. Und wird nicht und nicht müde. Ein ADHS-Improabend für Theaterhasser.